Abenteuerlust

(Joconde oder Les Coureurs d’aventures)

Opéra-comique in drei Akten

von Charles Guillaume Etienne

Musik von Nicolas Isouard (1775 – 1832)

(Uraufführung am 28.02.1814 in Paris)

Übersetzung und Bearbeitung von A. und H. Vladar

Robert, Graf von Martigue

Karsten Münster

Joconde, Vertrauter des Grafen

Patrick Ruyters

Lysandre, Freund der gräfl. Familie

Michael Hoffmann

Mathilde, Comtesse, Roberts Verlobte

Annika Liljenroth

Edile, ihre Freundin, Jocondes Verlobte

Astghik Khanamiryan

Jeannette, Bauernmädchen

Janina Pudenz

Matthes, Bauernbursche

Wolfgang Veith

Dorfrichter

Horst Vladar

Herren und Damen der Schlossgesellschaft, Bauern und Bäuerinnen

Chor der Neuburger Kammeroper

Musikalische Leitung

Alois Rottenaicher

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Michele Lorenzini

Korrepetition

Su-Jin Kim

Orchester

Mitglieder des Orchesters des Akademischen Orchesterverbandes e. V. München

Graf Robert und Joconde, sein Vertrauter, halten zu Unrecht Gräfin Mathilde und deren Freundin Edile, ihre Verlobten, für untreu. Sie beschließen deshalb enttäuscht, sich als Troubadoure durch die Lande ziehend am weiblichen Geschlecht zu rächen. Doch Lysandre, der gemeinsame Freund der vier, verrät besorgt den Plan. Die Frauen folgen den Abenteuerern als Zigeunerinnen verkleidet.

In einem nahe gelegenen Dorf rüstet man zum Rosenfest, bei dem das unschuldigste Mädchen zur Rosenkönigin gekrönt wird. Jeannette liebt zwar schon ihren Lucas, will aber trotzdem unbedingt den Preis erringen. Sie gerät an die „Troubadoure“, die sie begeistert umwerben, versteht es aber geschickt, sie hinzuhalten. Das führt zu nicht ungefährlichen Situationen für die „Abenteurer“, an deren Ende sie über Nacht eingesperrt werden. Am Morgen des Rosenfestes kommen Gräfin Mathilde und Edile als Gäste, decken alles auf und verzeihen den reuigen „Troubadouren“. Zähneknir-schend muss Robert die „unschuldige“ Jeannette zur Rosenkönigin krönen.

Nicolas Isouard (1773 – 1818)

ein gebürtiger Malteser, begann 1794 seine Karriere als Komponist von Opern in Florenz, blieb dann aber wegen Revolutionswirren in seinem Heimatland als Organist. Doch schon ab 1800 gab man in Paris seine Opern. Dort freundete er sich mit dem erstklassigen Librettisten F. B. Hoffmann an („Der Schatzgräber“ NKO 1983). Durch seine Freundschaft mit Ch G. Etienne, einem weiteren herausragenden Dichter, kam es zu einigen Spitzenwerken der Opéra comique, wie „Jeannot et Colin“ (1814), „Abenteuerlust“ (1814; NKO 2016) und „Wer für wen?“ (1816; NKO 1996). Er gehört zu den Meistern, die der Gattung ihre endgültige Form gaben.

Ch. G. Etienne (1777 – 1845)

begann 1799 seine Karriere als Bühnenautor. 1801 schrieb er z. B. für H. M. Berton „Die große Trauer“ (NKO 2009). Zwei weitere Werke fanden die wohlwollende Anteilnahme Napoleons, und Etienne wurde Chefredakteur des Journal de l’Empire. 1808 begann die Zusammenarbeit mit seinem Freund N. Isouard, mit dem er 10 Bühnenwerke – darunter 1816 „Wer für wen?“ (NKO 1996) und „Abenteuerlust“ (Joconde – NKO 2016) – schuf. 1820 wurde er zum Abgeordneten gewählt und 1839 sogar zum Pair de France ernannt. Mit seinen Werken trug er entscheidend dazu bei, die Opéra comique während des Empire in die klassischen Bahnen der alten Komödie zurückzuführen.

Das begeisterte Publikum belohnte am Schluss der Vorstellung alle Mitwirkenden mit starkem, nicht enden wollendem Beifall, wobei *Horst Vladar*, die „Seele der Neuburger Kammeroper“ mit Jubelschreien gefeiert wurde.
/Udo Pacolt/ in: der-neue-merker.eu/neuburg-donau-abenteuerlust-von-nicolas-isouard-geb-1755

 

Die Neuburger Kammeroper hat in den letzten Jahren wahre Glanzleistungen gezeigt, und so waren die Erwartungen in die diesjährige Ausgabe hoch gespannt. Würde es möglich sein, an die großartigen Erfolge der vergangenen Aufführungen anzuknüpfen? Mit dem Dreiakter „Abenteuerlust“ aus dem Jahre 1814 (Libretto: Charles Guillaume Etienne; Musik: Nicolas Isouard) hat man ein Stück ausgewählt, das alle Voraussetzungen dafür bietet: ein turbulentes, mit allen Zutaten damaliger Klischees angereichertes Handlungsmuster, eine spritzig-elegante und fantasievolle Musik.

Original, originell und möglichst authentisch: Das sind die Qualitätsmerkmale der Neuburger Kammeroper. Der Zuschauer wird nicht belehrt, manipuliert oder missioniert. Es stellt sehr zufrieden fest, dass die Verantwortlichen der Versuchung widerstehen, den Stücken ein modernes Sujet zu verpassen und davon absehen, die Darsteller mit Jeans oder Büroanzügen agieren zu lassen. Statt dessen erleben wir ein verschwenderisches Kostümaufgebot, eingerahmt von einem prächtigen Bühnenbild – ein Fest für die Augen! Michele Lorenzini überrascht jedesmal mit neuen Ideen und reizenden Details.
25. Juli 2016 Augsburger Allgemeine/Neuburger Rundschau (Klaus Hopp-Wiel)

 

Wieder einmal zeigt die Neuburger Kammeroper, was für gelingendes und bewegendes Musiktheater fundamental wichtig ist: Ensemblegeist, Freude an der Interaktion mit dem Aufführungsort und eine nach bald fünfzig Jahren noch immer selbstverständliche Spontaneität. Es ist nicht das geringste Verdienst, dass sie mit ihrer Spielform ganz ohne Education-Brimborium echte Begeisterung erzeugt. Da sind Opern-Neulinge nach „der ersten Halbzeit“ noch immer genauso bei der Sache wie davor und am Ende der zweiten Aufführung gibt es satten, ehrlichen Schlussapplaus mit je drei Einzelvorhängen für alle Solisten.
Roland Dippel am 26.07.2016 in Neue Musikzeitung (Regensburg)
www.nmz.de/online/joconde-1814-von-isouard-ist-die-entdeckung-der-neuburger-kammeroper-2016

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