Da Bürgamoasta (Il governatore – 1747)

(Il governatore – 1747)

von N. B. Logroscino – D. Canica

(Übers. ins Bayerische v. A. und H. Vladar)

Da Bürgamoasta

Elmar Goebel

Amanda, seine verwitwete Tochter

Hildrun Baier

Georg Hofer, Dragoner

Michaela Dobmeier

von Häberle, Baron aus Schwaben

Horst Vladar

Marianne, junge Bäuerin

Ursula T. Maxhofer-Schiele

Korbinian, ihr Verehrer

Brigitte Wegenberger

Annamirl, Dorfmädel

Ulrike Deschler

Toni, Bauernbursche

Thomas Bauer

Dorfleute, Polizisten

Chor der Neuburger Kammeroper

Musikalische Leitung

Stefan Klingele

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Fredi Neubauer, Alfred Neubauer

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

In einem Marktflecken im bayrischen Oberland terrorisiert der selbstgerechte Bürgermeister nicht nur seine Bauern, sondern auch seine junge, verwitwete Tochter Amanda. Er hat für sie – ohne sie zu fragen – den reichen Baron von Häberle aus dem Schwabenland zum neuen Mann bestimmt, den auch er noch nicht kennt.
Selbst Witwer, ist er hinter allen Weiberröcken her. Dabei ist er mit seinen Mitteln nicht sehr wählerisch. Vor allem mit dem jungen Toni gibt es wegen dessen Schatz Annamirl laufend Ärger. Toni bietet auch genügend Angriffsflächen, ob er nun Annamirls linkischem Onkel Korbinian beim Liebeswerben um seine resolute Kusine Marianne Nachhilfe gibt, mit Annamirl streitet oder Streiche ausheckt.

Amanda hatte sich in der Stadt in den Dragoneroffizier Hofer verliebt und trauert ihm nach. Zu ihrer Überraschung erscheint dieser im Dorf. Sein Regiment macht in der Nähe Manöver, und er nützt die Gelegenheit für ein Wiedersehen. Der Bürgermeister versucht natürlich, die Beziehung zu stören. Baron von Häberle trifft ein – incognito, wie er glaubt. Er will sich erst über den Charakter seiner Braut erkundigen. Dabei gerät er ausgerechnet an Amanda selbst, die sich als „wilden Drachen“ schildert. Der Baron beklagt sein Geschick und will sich die Sache noch einmal überlegen.

Nach einem neuen Streich Tonis erklärt Annamirl, daß es zwischen ihnen endgültig aus sei. Als er sich darauf mit seinem Hirschfänger zu erdolchen droht, behauptet der hinzukommende Bürgermeister, um den jungen Rivalen auszuschalten, Toni habe Annamirl damit bedroht, und läßt ihn trotz Bitten und Protesten einsperren.

Für Marianne ist es leicht, dem „scharfen“ Bürgermeister den Gefängnisschlüssel abzuluchsen. Sie steckt ihn ihrem Verehrer Korbinian zu, mit dessen Hilfe sie Toni befreien will. Korbinian berichtet ihr allerdings, daß Toni durch Hofer und dessen Kameraden bereits auf freiem Fuß sei und präsentiert den Schlüssel, von dem er glaubt, er gehöre zur Kammer Marianne stolz seinem Rivalen. Der klärt ihn auf. Korbinian bleibt klagend zurück. Amanda überredet mit Hofer den befreiten Toni, den Baron von Häberle zu spielen. Von Häberle muß zusehen, wie der Bürgermeister seinen „Schwiegersohn“ mit großem Trara empfängt. Der wiederum begrüßt „über-raschenderweise‘ einen alten Freund, den Dragoner Hofer. Annamirl konstatiert eine gewisse Ähnlichkeit des „Baron“ mit ihrem Toni. Den echten Baron hält es nicht
mehr in seinem Versteck, doch da keiner an seine Echtheit glaubt, zweifelt er schließlich selbst daran. Die Verwirrung ist groß!

Marianne ist entschlossen, Amanda zu ihrem Glück zu verhelfen. Nur zu gern ist der nach ihr verrückte Korbinian bereit, sie zu unterstützen. Toni will Annamirl auf die Probe stellen. Als „Baron“ bietet er ihr an, Frau Baronin zu werden. Bevor Annamirl diese Probe bestehen kann, kommt der Bürgermeister und schickt den „Baron“ zu Amanda, um selbst mit Annamirl allein sein zu können. Er verspricht ihr für ihre Gunst das „Blaue vom Himmel“. Toni beobachtet das zähneknirschend. Als er reinen Tisch machen will, meldet der als Sekretär verkleidete Korbiniah die Ankunft des königlichen Revisors – Marianne! Der Revisor macht zum Ärger Tonis – des „Barons“ – Annamirl auch noch den Hof. Während im Hause des Bürgermeisters die Revision erfolgt, gibt es zwischen Toni und Annamirleine Aussprache und zuletzt die endgültige Versöhnung.

Der Revisor will den eingesperrten Messerstecher Toni sehen. Das „Opfer“ Annamirl klärt den Fall auf. Der Baron hat das Nachsehen, der Bürgermeister ist froh, einigermaßen unbeschädigt aus der Geschichte zu kommen, und lädt alle zur Hochzeit von Amanda und Hofer ein.

Nicola Bonifacio Logroscino

wurde am 20. Oktober 1698 in Bitonto bei Bari geboren. Er ging 1714 mit einem jüngeren Bruder nach Neapel und wurde am Konservatorium von Santa Maria Loreto eingeschrieben. Die ersten Lehrer waren G. Veneziano und G.Perugino. 1720 wurde F. Maneini Peruginos Nachfolger. Die Brüder Logroscino blieben bis 1727 am
Konservatorium, bis sie wegen „schlechter Führung“ davon verwiesen wurden. Die Tatsache, daß Nicola bis zum 29. Lebensjahr am Konservatorium blieb, läßt den
Schluß zu, daß er dort als „maestrino“ beschäftigt war, als Assistent für den Unterricht der jüngeren Schüler. Der genaue Grund für den Rausschmiß ist nicht klar, aber Nicola muß wohl als äußerst unerwünscht betrachtet worden sein, denn sein Bruder wurde einige Monate später erneut zugelassen, unter der ausdrücklichen Bedin-
gung, daß er absolut nichts mit Nicola zu tun haben dürfe. Vom Mai 1728 bis zum Juni 1731 war Logroscino Organist bei dem Erzbischof von Conza. Im November 1731 heiratete er eine Neapolitanerin. Der Beginn seiner Karriere als Komponist muß auch etwa zu dieser Zeit gesehen werden. Es sind keine Libretti oder Partituren erhalten. Das erste Werk, das genauer datiert werden kann, ist „Quinto Fabio“, eine opera seria, die 1738 in der Karnevals-Saison in Rom im Teatro delle Dame aufgeführt wurde. Später im gleichen Jahr schrieb er einige Arien für Opern anderer Komponisten. Und im Herbst des Jahres wurde seine komische Oper „Inganno
per inganni“ mit Erfolg uraufgeführt. Ein geplanter Auftrag für das Teatro San Carlo verlief im Sande, aber aus dem betreffenden Schriftverkehr geht hervor, daß Logroscino neben „Inganno per inganni“ schon Erfolge eingeheimst hatte mit komischen Opern für die kleineren Theater der Stadt. Nach 1738 gibt es dann regel-
rechte Listen mit meist komischen Opern, die in den drei großen Theatern Neapels aufgeführt wurden, und zwar mit so großem Erfolg, daß Logroscino „il dio dell’opera buffa“ genannt wurde. 1743 wurde in Palermo das Oratorium „La spedizione di Giosue contor gli Amalachiti“ aufgeführt. Dem Textbuch entnehmen wir, daß Logroscino zu der Zeit Kapellmeister am Conservatorio dei Figliuoli Dispersi war. Anscheinend hat er den Rest seines Lebens in Palermo verbracht, obwohl seine Werke weiterhin in Neapel (ur-) aufgeführt wurden. Die letzte nachgewiesene Oper, „La gelosia“, wurde ausnahmsweise weit ab vom Ort seiner früheren Triumphe uraufgeführt, nämlich
im Herbst 1765 im Teatro San Samuele in Venedig. Das genaue Sterbedatum ist wohl nicht nachzuweisen. Die Angaben variieren von 1763 (!) in Neapel bis 1767 in Palermo.

„Ein regelrechter editorischer Krimi, dessen Knoten von den Vladars dahingehend durchgeschlagen wurde, daß sie den Stellenwert des Neapolitanischen im italienischen Sprachraum mit dem des Bajuwarischen im deutschen als vergleichbar erkannten – und heraus kam eben jene originelle Oper im bayerischen Dialekt, der nicht nur Logroscinos vielgerühmte melodische Erfindungsgabe und seine auf den Punkt zielende musikalische Umsetzung der dramatischen Situation aufs schönste bestätigt.“
(Opernwelt X/91)

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