Der Barbier von Sevilla

(Il barbiere di Seviglia – 1816)

von F. G. B. Morlacchi – G. Petrosellini

Graf Almaviva

Robert Eller

Dr. Bartolo

Horst Vladar

Rosina, sein Mündel

Ulrike Jöris

Figaro, Barbier

Thomas Bauer

Don Basilio, Musiklehrer

Ansver Sobtzick

Dormiendo und Wachtmeister

Siegfried Auer

Attenzio und Notar

Fritz Ott

Wachen

Manfred Basel, Florian Berg, Tobias Kunze, Klaus Labitzke

Musikalische Leitung

Stefan Klingele

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild mit Ausführung

Fredi Neubauer

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchestervereins München

Graf Almaviva hat sich in Madrid in eine eifersüchtig bewachte unbekannte Schöne verliebt, ist ihr nach Sevilla nachgereist und hat festgestellt, daß sie im Hause des Dr. Bartolo eingesperrt ist. Ist sie womöglich dessen Frau? Noch vor Sonnenaufgang wartet er als Gärtner Lindoro verkleidet vor diesem Haus in der Hoffnung, die Heißgeliebte möge erscheinen. Leider wird er gestört: Es kommt jemand Reime schmiedend die Straße entlang. Aber der Graf erkennt in ihm bald seinen früheren Diener, den pfiffigen Figaro, der sich nun in Sevilla als Tausendsassa und Barbier durchschlägt. Als der ihm erzählt, daß er nicht nur Dr. Bartolo zu seinen Kunden zählt, sondern auch der Vertraute von dessen Mündel (!) Rosina ist, verspricht ihm der Graf eine hohe Belohnung, damit er ihm helfe, das Mädchen zur Frau zu bekommen.

Inzwischen ist Rosina auf dem Balkon erschienen. Sie hat in der Nacht einen Brief an den unbekannten jungen Mann geschrieben, der ihr seit einiger Zeit aus der Entfernung den Hof macht. Da taucht hinter ihr Dr. Bartolo auf. Geistesgegenwärtig läßt sie den Brief vom Balkon fallen, und bevor ihn der Vormund finden kann, hat ihn der Graf aufgelesen. In Antwort auf das Briefchen gibt sich der Graf in einem Ständchen als Lindoro aus und beteuert Rosina seine Liebe. Figaro entwickelt sofort Ideen, wie der Graf in das Haus eindringen kann.

Dr. Bartolo hält sein Mündel wie eine Gefangene. Er will sie heiraten. Es soll nicht herauskommen, daß er schon einen Teil ihres Vermögens verschleudert hat, und verliebt ist er ja auch! Rosina aber will sich aus den Fängen des so viel älteren und mißtrauischen Mannes befreien. Figaro kommt, um das Terrain zu sondieren und Bartolos Diener mittels Nießwurz und Schlafpulver auszuschal-ten. Rosina übergibt ihm ihre Antwort an den vermeintlichen Gärtner, doch werden beide von Dr. Bartolo aufgeschreckt. Rosinas Verhalten reizt ihn, und er läßt seine Wut darüber an seinen Dienern aus, die er hinauswirft.

Dann kommt Don Basilio, Rosinas Musiklehrer, der dem Doktor erzählt, dass Graf Almaviva in der Stadt erblickt worden sei. Seit dessen Nachstellungen in Madrid fürchtet Bartolo diesen mächtigen Rivalen um die Gunst Rosinas, doch Basilio beruhigt ihn: Er rät zu einer Verleumdung. Bartolo will aber durch schnelle Heirat das Problem lösen. Kaum ist der Intrigant fort, macht Bartolo Rosina eine Szene, in die der Graf als betrunkener Dragoner hineinplatzt. Nach Figaros Plan fordert er mit einem Einquartierungsschein Nachtquartier. Dr. Bartolo gelingt es, den ungebetenen Besucher loszuwerden, nachdem dieser Rosina noch schnell ein Briefchen zugesteckt hat. Das will Bartolo nun lesen, aber Rosina trickst ihn aus.

Zum zweiten Mal versucht es Graf Almaviva mit einer Verkleidung. Diesmal spielt er Don Alonso, einen Schüler Don Basilios, und kann Dr. Bartolo davon überzeugen, daß er den angeblich erkrankten Musiklehrer vertrete. Sogar das Briefchen Rosinas hat er mitgebracht, um eine ”Verleumdung“ zu starten. Bartolo glaubt die ganze Geschichte und stimmt einer Unterrichtsstunde zu. Darauf erscheint wie abgesprochen Figaro. Er will Dr. Bartolo rasieren und ihn so aus dem Musikzimmer bringen. Bartolo besteht aber darauf, an Ort und Stelle rasiert zu werden. Zu aller Überraschung taucht Don Basilio auf. Nur unter größter Anstrengung und mit Bestechung schafft man ihn aus dem Haus. Während des nun folgenden Unterrichts gelingt es dem Grafen zwar, Rosina von ihrer von Figaro und ihm geplanten Entführung zu berichten, doch dann wird Dr. Bartolo erneut mißtrauisch und fährt wütend zwischen die Tuschelnden. Nur mühsam gelingt es, sich vor dem Tobenden und um sich Schlagenden in Sicherheit zu bringen.

Schlechtes Gewissen hat Don Basilio erneut zu Dr. Bartolo getrieben. Er glaubt, Alonso stecke mit Graf Almaviva unter einer Decke. Bartolo schickt ihn, den Notar zu holen: Er glaubt, nur eine Heirat noch in dieser Nacht könne seine ”Rettung“ sein. Rosina aber, die ihren Lindoro und dessen Helfer Figaro ungeduldig erwartet, erhält von ihm die Verleumdung aufgetischt, daß er von einer Geliebten des Grafen Almaviva den Brief Rosinas an Lindoro zugespielt bekom-men habe. Jener Gärtner sei der Helfershelfer des Grafen, der ihm das Mädchen in die Arme treiben wolle. Rosina ist zutiefst getroffen, erzählt Bartolo von der geplanten Entführung und ist bereit, ihn zu heiraten. Er eilt sofort davon, um die Wache zu holen. Alle sollen verhaftet werden! Er wird Rosina heiraten!

Der seelischen Spannung entspricht das Gewitter, das nun über Sevilla hereinbricht. Figaro und Graf steigen über den Balkon ein. Wütend und enttäuscht zugleich schleudert Rosina ihnen ihreVerachtung entgegen. Der Graf kann natürlich das Mißverständnis ganz leicht aufklären. Der herbeigeeilte Notar vollzieht ohne Zögern die Trauung. Bartolo, der mit der Wache zurückkehrt, muß sich mit den Tatsachen abfinden. Dabei mag es wohl helfen, dass Graf Almaviva großzügig auf Rosinas Mitgift verzichtet.

Francesco Giuseppe Baldassare Morlacchi – Der Komponist

wurde am 14. Juni 1784 in Perugia geboren als Sohn des Salz- und Tabak-Magazinverwalters Alessandro Morlacchi, der auch in der Kathedrale als Violinspieler
wirkte. Er lernte bei L. Caruso, dem Direktor der Musikschule im Kloster der Padri dell’ Oratorio, und schrieb bereits in frihem Alter Orgelstücke und ein Oratorium.
1803/04 studierte er in Loreto; 1805 setzte er seine Studien in Bologna am Liceo Filarmonico fort. Im gleichen Jahr erhielt er mit einer Kantate zur Krönung Napoleons als König von Italien sein Diplom und wurde Mitglied der Akademie. 1807 begann er mit einer in Florenz uraufgeführten Farsa seine erfolgreiche Laufbahn als Opernkomponist, schrieb aber weiter viel Kirchenmusik. Um 1808 heiratete er.

Seine Opernerfolge in Bologna, Parma, Verona, Livorno und Rom brachten ihm 1810 eine Berufung an die Italienische Oper nach Dresden, zunächst als Assistent des
Kapellmeisters Josef Schuster; nach einem Jahr wurde er auf Lebenszeit als Kapellmeister angestellt. Nach der Aufführung seines Oratoriums „La passione“ in Perugia 1816 wurde Morlacchi von Papst Pius VII. zum ”Cavaliere dello Sperone d’oro“ ernannt. Als Kapellmeister hat Morlacchi nicht nur die erfolgreichen Opern seiner Zeit aufgeführt, sondern auch Oratorien, diese in den Palmsonntagskonzerten zugunsten der 1829 von ihm gegründeten Pensionskasse für Witwen und Waisen der Kapellmitglieder, u. a. 1833 Bachs ”Matthäuspassion“ mit 246 und 1834 Händels ”Messias“ mit 350 Mitwirkenden.

Bereits seit längerem erkrankt begab sich Morlacchi 1841 auf eine Reise nach Perugia, das er jedoch nicht mehr erreichen sollte: am 28.:Oktober 1841 starb er in Inns-
bruck, wo er auch beerdigt wurde. 1951 wurden sein Schädel und die Tafel mit der Grabinschrift nach Perugia überführt.

 

Giovanni Petrosellini Der Librettist

stammt aus einer Familie von Verseschmieden und Librettisten und wurde am 29. November 1727 in Corneto (heute Tarquinia) geboren. Er lebte in Rom in der Umgebung des päpstlichen Hofes als Günstling von Papst Pius VI., wurde Sekretär eines Fürsten, dann Mitglied der Accademia dell’Arcadia und verschiedener anderer literarischer Akademien.

Er war einer der bekanntesten und fruchtbarsten Librettisten seiner Zeit und schrieb Libretti u. a. für P. Guglielmi, B. Galuppi, A. Salieri, D. Cimarosa und W. A.
Mozart. Für G. Paisiello schrieb er u. a. ”Der Barbier von Sevilla“, den dann auch Fr. Morlacchi verwendete. Es istsein bekanntestes Werk geworden.

Vermutlich im Jahre 1799 verstarb Petrosellini in Rom.

„Eine vergnügliche Wiederentdeckung eines Meisterwerks, das man den Dramaturgen ans Herz legen möchte. Ich persönlich würde diesen ‚Barbier‘ über den von Paisiello stellen.“
(Opernwelt IX/92)

 

„Mediterranes Feuer und wohlgesetzte Grazie sind selten glücklich gepaart.“
(Augsburger Allgemeine, 20. 7. 92)

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