Die Dorfgala (1772)

von A. Schweitzer – Fr. W. Gotter

Im Hof des ehrm. Marstalls

(b. Schlechtwetter im Kongregationssaal)

Schulmeister

Horst Vladar

Liese, seine Frau

Kaye Krafft-Sprenzel

Christlieb, sein Sohn

Ulrike Deschler

Grumbholz, Dorfwirt

Siegfried Auer

Clärchen, seine Tochter

Christa Hemetsberger

Antoinette, Hausmamsell bei der Gräfin

Brigitte Wegenberger

Treumund, Haushofmeister bei der Gräfin

Hartmut op der Beck

Dorfbewohner

Chor der Neuburger Kammeroper

Musikalische Leitung

Rainer Baum

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Walter Heinemann

Choreinstudierung

Andreas Abspacher

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

Ein Dorf rüstet sich für das Geburtstagsfest seiner Gräfin. Die alternde Hausmamsell Antoinette benutzt die allgemeine Aufregung, um mit Liese, der klatschsüchtigen Frau des Schulmeisters, ein Komplott zu schließen, mit dem sie den Haushofmeister Treumund auf Grund eines angeblichen Eheversprechens doch noch für sich gewinnen will. Der aber hat alle Chancen bei Clärchen, der hübschen Tochter des Gastwirts Grumbholz, die Liese allerdings gerne für ihren verzogenen Sohn Christlieb zur Frau gehabt hätte. Die beiden Frauen sind sich also bald handelseinig.

Der Schulmeister hat verschiedene Beiträge für das Geburtsstagsfest vorbereitet, so eine selbstkomponierte lateinische Kantate, vor allem aber hat er ein Festspiel abgefaßt: „Simson und Dalila’”. Auf dem Dorfplatz vor dem Wirtshaus wird dieses Stück probiert. Simson wird von Christlieb, Dalila von Clärchen dargestellt. Die Philister sind die Bauern des Dorfes. In die letzten Vorbereitungen für die „Dorfgala“ hinein platzt die Nachricht, daß Antoinette ihren Prozeß gegen Treumund verloren habe und das Dorf wegen des durch sie gestifteten Unfriedens verlassen müsse. Der Verbindung Clärchens mit dem Haushofmeister steht nichts mehr im Wege. Die Dorfbewohner gratulieren dem Paar, der Schulmeister übt rasch nochmals seine Festrede, und schon setzt sich der Festzug mit einem Rundgesang in Richtung Schloss in Bewegung.

Anton Schweitzer

wurde 1735 in Coburg geboren als Sohn eines Tuchmachers, der zugleich Pagenaufwärter des Herzogs war. Seine musikalische Ausbildung, die der Herzog für ihn finanzierte, erhielt Schweitzer bei Kleinknecht in Bayreuth. Der Herzog hatte in Hildburghausen ein Hoftheater errichtet, und nach dem Studium wurde Schweitzer dort Kapellmeister. Durch finanzielle Schwierigkeiten des Herzogs bedingt wurde eben dieses Theater jedoch bald wieder aufgelöst. Schweitzer fand bei der „Seyler-schen Theatergruppe’ eine neue Stellung. Mit ihr reiste er zunächst herum und mit ihr ließ er sich dann in Weimar nieder. Hier bot sich durch die Theaterdichter und die Kapelle die erwünschte Grundlage für eine intensive Tätigkeit als Komponist von Bühnenwerken. Nach weiteren Studien in Italien wurde Schweitzer musikalischer Direktor des Hoftheaters in Weimar.

1770 war die Uraufführung seines ‚„Elysium”, geschrieben zur Feier des Geburtstages von Königin Charlotte in Hannover. 1772 schrieb er mit dem Libretto von Wilhelm Gotter das Singspiel „‚Die Dorfgala’, das in Weimar uraufgeführt wurde und an einigen deutschen Theatern und in St. Petersburg Aufführungen erlebte. 1773 entstand „Alceste’” als fünfaktige „ernsthafte Oper’’ mit einem Libretto von Wieland nach Euripides. Jetzt wurde Schweitzer richtig berühmt, die Oper erlebte in Leipzig, Schwetzingen, Mannheim, Dresden, Köln, Danzig, Frankfurt am Main, Berlin, Dessau und vielen anderen Städten Wiederholungen.

Von einem Schloßbrand in Weimar war die Seylersche Truppe arg getroffen; sie wurde dann aber wegen der „hohen Qualität der Mitglieder’’ ständig nach Gotha verpflichtet, und das erste Gothaer (später mit Coburg verbundene) Hoftheater wurde 1775 mit Musik von Schweitzer eröffnet. „Aus Gründen, welche nie recht klar geworden, wurde im März 1779 das Theater plötzlich für aufgehoben erklärt (Kawaczynski, Weiß, Das Herzogl. S. Hoftheater zu Coburg-Gotha). Schweitzer blieb aber Leiter der Hofkapelle, wurde in der Nachfolge von Benda zum herzoglichen Kapelldirektor mit Pensionsberechtigung und leitete das auf seinen Wunsch vergrößerte Orchester bis zu seinem Tode im Jahre 1787. Seine letzte Oper „Rosamunde” (wiederum Libretto Wieland) wurde nach einigen Verzögerungen 1780 in Mannheim uraufgeführt, aber da hatte das Interesse an der deutschen Oper, nachdem Herzog Karl Theodor nach München gezogen war, bereits nachgelassen, und der Erfolg war entsprechend mäßig. Schweitzers Opern waren überhaupt weniger erfolgreich als seine Singspiele wie ‚‚Die Dorfgala‘. Da zählte er zu den besten seiner Zeit und wurde von den Zeitgenossen sogar Gluck vorgezogen.

Friedrich Wilhelm Gotter

Am 3. September 1746 wurde er in Gotha geboren, der Stadt, der er sein ganzes Leben treu blieb. Im Geiste der damaligen Zeit erhielt er eine angemessene Erziehung, in der die französische Sprache und Literatur im Mittelpunkt standen. Schon als Knabe schrieb er dramatische Werke in französischer Sprache. Seine Studienzeit verbrachte Gotter von 1763 bis 1766 an der Universität in Göttingen. Er studierte Jura. 1768 und 1769 verbrachte er nochmals zwei Semester als Erzieher zweier adeliger Studenten in Göttingen. 1767 und 1769 bis 1771 weilte er als Legationssekretär in Wetzlar. Während der Zeit in Göttingen und Wetzlar schloß er Freundschaft mit vielen führenden Geistern seiner Zeit. In der Wetzlarer Tafelrunde befreundete er sich auch mit Goethe. 1768 hatte er den „Göttinger Musenalmanach” gegründet, der ihm ersten literarischen Ruhm erwarb. 1792 wurde Gotter herzoglicher Geheimsekretär. Nur noch eine größere Reise (1774) nach Lyon und durch die Schweiz führte ihn aus seiner Heimatstadt. In Gotha nahm er bis zu seinem Tod großen Anteil am Geschick des neu errichteten Hoftheaters (unter anderen unter Iffland). 1772 schrieb er für Anton Schweitzer den Text zu ‚Die Dorfgala’’. 1778 übersetzte und bearbeitete er „Der Kobold”.

Den Ruhm bei seinen Zeitgenossen verdankt er seinem erfolgreichen Eintreten für das deutsche Theater und kaum minder seiner faszinierenden Persönlichkeit. Dichterische Originalität fehlte ihm, seine geschichtliche Bedeutung liegt in seinen Libretti zu Singspielen und Melodramen. Gotters poetische Leistungen sind getreuester Ausdruck seiner französischen Bildung und des eleganten Geschmacks in der damaligen deutschen Literatur. Sein Instinkt für Bühnenwirksamkeit machte seine Werke zu längerwährenden Publikumserfolgen. Am 18. März 1797 starb Gotter in Gotha.

„Die Dorfgala ist ein Kabinettstück von einer ‚Schwindschen‘ urwüchsigen Naturtreue, das auch heute noch, mit kühnem Ruck der Vergessenheit entrissen, den mageren Lustspielplan der deutschen Opernbühne wirksam bereichern könnte.“
(E. Bücken, Handbuch der Musikwissenschaft)

 

„Ein Singspiel, das seinen Witz nicht nur aus der Textvorlage zieht, sondern das gerade durch seine schattierungsreiche, vielgestaltige und feinsinnige musikalische Ausarbeitung besticht.“
(Donaukurier, Ingolstadt, 21.7.88)

 

„Eine Köstlichkeit der kleinen Form aus der Mozartzeit.“
(Augsburger Allgemeine, 18.7.88)

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