Die Laterne des Diogenes (La lanterna di Diogene – 1793)

von P. Guglielmi – A. Anelli

(Im Schlosshof – bei Schlechtwetter im Kongregationssaal)

Mammera, Privatier und Philosophie-Freak

Horst Vladar

Clarice, frustrierte Ehefrau

Brigitte Wegenberger

Bettina, verzogene Tochter

Ulrike Deschler

Nina, heißgeliebte Gärtnerin mit Köpfchen

Christa Hemetsberger

Fiametta, (hinter)listige Kammerzofe

Ursula T. Maxhofer-Schiele

Nardo, Gondoliere mit Durchblick

Günter Kiefer

Bemolo, Musiklehrer, Abstauber

Elmar Goebel

Cavaliere Narciso, Playboy in Finanznöten

Norbert Kleinhenn

Drei Diener mit Umbauverpflichtung

Klaus Labitzke

Heinrich Wladarsch

Stefan Wladarsch

Musikalische Leitung

Rainer Baum

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Walter Heinemann

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

Der reiche Venezianer Mammera widmet sich mit wenig Talent, aber ganzer Leidenschaft, der Astrologie und der Philosophie. Mit Hilfe dieser Wissenschaften glaubt er, jeder Situation gewachsen zu sein, da sie ihm todsichere Menschenkenntnis vermittelten. Über seinen Passionen bemerkt er nicht, daß ihn seine Frau Clarice mit dem Musiklehrer und Hausfreund Bemolo betrügt, das Kammermädchen Fiametta vor allem auf das eigene Wohl bedacht ist und der von ihm für seine naive Tochter Bettina ausgesuchte Bräutigam, Cavaliere Narciso, nur auf die Mitgift spekuliert. Einzig seine Gärtnerin Nina und sein Gondoliere Nardo hängen an ihm. Dieser leidet darunter, wie man seinen Herrn betrügt. Außerdem quält ihn Eifersucht wegen seiner Liebe zu Nina, der der Cavaliere ungeniert den Hof macht. Fiametta, die Nardo aus verschmähter Liebe haßt, verspricht dem Cavaliere, ihm Nina in die Arme zu treiben. Hat er erst Bettinas Mitgift erhalten, will er mit Nina das Weite suchen. Bemolo überredet inzwischen Clarice, in der kommenden Nacht, beladen mit allem, was sie an sich raffen kann, mit ihm zu fliehen. Nardo, der von all dem erfahren hat, versucht mit einem fingierten Brief, seinen Herrn zu warnen. Doch es gelingt den Beschuldigten sich herauszulügen: Sie selbst hätten den Brief geschrieben. Der empörte Nardo wird als Gauner hingestellt und beschimpft. Mammera läßt sich überzeugen. Bemolo und der Cavaliere verfolgen weiter ihre finsteren Pläne.

In der Nacht warten Clarice und Bemolo auf den Kutscher, der ihnen zur Flucht verhelfen soll. Nardo hat diesen bestochen, spielt selbst dessen Rolle und nimmt das Fluchtgepäck Clarices in Empfang. Die Flucht verzögert sich, denn es erscheint Narciso als Nardo verkleidet, um unter Ninas Fenster ein Ständchen zu singen. Fiametta beobachtet schadenfroh, wie Nina dem vermeintlichen Nardo ihre Tür öffnen will. Doch platzen Mammera und Bettina in die Szene. Frech erzählt ‚‚Hausfreund‘‘ Bemolo, man habe dem Dieb Nardo eine Falle gestellt: Dessen Verkleidung als Kutscher und Clarices Bündel seien der Schuldbeweis. „Menschenkenner‘‘ Mammera jagt Nardo davon und bedankt sich bei seinen vermeintlichen Freunden. Da der Störenfried Nardo aus dem Haus ist, geht das muntere Treiben auf Mammeras Kosten fröhlich weiter. Allerdings wird es durch die Ankunft des reisenden Philosophen Epimanduras gestört. Es ist der verkleidete Nardo. Mammera testet den Fremden in einem hochtrabenden Streitgespräch und umarmt dann gerührt den Ebenbürtigen. Epimanduras führt die berühmte ‚‚Laterne des Diogenes‘‘ mit sich, mit der jener aller Menschen Herz ergründen konnte. Er verspricht, am Abend die Laterne vorzuführen. Nebenbei berichtet er, er hätte vom Selbstmord Nardos gehört, und zeigt zum Beweis dessen Weste. Nina, die vom Cavaliere Narciso mehr denn je bedrängt wird, ist zerstört. Nardo bemerkt, wie sehr sie ihn liebt. Bevor er sich ihr aber entdecken kann, hat sie ihn längst durchschaut. Nach einigem Hin und Her versöhnen sich die beiden. Sie will ihm auch helfen, die Betrügereien aufzudecken. Es ist Zeit, die Wirkung der „Laterne des Diogenes“ zu erproben. Mammera hat alle Hausbewohner in den Garten bestellt, um das Wunder zu betrachten. Nardo versteckt ihn in einem Faß, läßt die Paare einzeln kommen und sagt ihnen die Wahrheit auf den Kopf zu. Verwirrt bekennen sie und bitten um Verschwiegenheit. Mammera springt empört aus dem Fass. Nardo gibt sich zu erkennen und bekommt seine Nina. Bemolo und der Cavaliere müssen mit leeren Händen abziehen. Mammera aber preist seine neugewonnene Weisheit.

Pietro (Pier Alessandro) Guglielmi

Am 9. Dezember 1728 kam Pietro Guglielmi in Massa Carrara zur Welt. Bereits als kleiner Bub erhielt er seinen ersten Musikunterricht. Sein Vater, Kapellmeister des Herzogs und Leiter des Theaters in Massa, und sein Onkel, Domorganist in Massa, waren seine ersten Lehrer. Schon als Knabe trat er als Violinist in das Orchester des herzoglichen Theaters ein. Mit 16 Jahren komponierte Pietro eine Posse, die ihm die Anerkennung und Protektion der Herzoginwitwe Ricciarda Gonzaga einbrachte. Sie ermöglichte ihm die Fortsetzung seiner Studien in Neapel. Zehn Jahre studierte Guglielmi dort am Konservatorium bei Francesco Durante. Obwohl er als faul und un-diszipliniert galt, erregten seine Arbeiten als Musiker Erstaunen und Bewunderung. Über seine Anfänge beim Theater liegen widersprüchliche Zeitangaben vor. Am ehesten dürfte das Jahr 1757 der Beginn seiner Theaterkarriere gewesen sein. Im Teatro dei Fiorintini in Neapel wurde seine Oper „Lo Solachianello ‚mbroglione‘‘ aufge-führt. Aber erst zwei Jahre später begann der Komponist sich überwiegend der Oper zu widmen. 1759 erschienen ein musikalisches Intermezzo und zwei komische Opern. 1763 versuchte sich Guglielmi auch im ernsten Fach. Seine opera seria „Tito Manlio‘‘ wurde in Rom uraufgeführt. Um diese Zeit verheiratete sich Guglielmi mit einer Opernsängerin, die ihm acht Söhne gebar. Sie begleitete ihn eine Zeitlang auf seinen vielen Reisen. Später trennten sich ihre Wege. 1764 verließ das Paar Neapel und begab sich in den Norden Italiens. Eine rege Reisetätigkeit zu den Theatern in Mailand, Florenz und Rom, wo nun seine Opern überall gerne gespielt wurden, ist uns überliefert. Mit besonderer Begeisterung wurde „La sposa fedele‘‘ aufgenommen, auch über die Grenzen Italiens hinaus. In Deutschland wurde es unter dem Titel „‚Robert und Kalliste‘‘ als Singspiel in drei Akten sehr populär. 1768 kam das Ehepaar nach London. Bis 1772 versuchte Guglielmi dort sein Glück als Komponist. Die Ränke anderer dort anwesender Komponisten verhinderten jedoch größere Erfolge. Vier Jahre dauerte die Heimreise nach Neapel, unterbrochen von Aufenthalten in den Theaterstädten Europas, besonders denen seines Heimatlandes. 1776 mußte er erkennen, daß in Neapel inzwischen andere seine Stelle am Theaterhimmel erobert hatten.

Paisiello und Cimarosa beherrschten die Bühnen. Doch rasch gelang es Guglielmi, seine alte Vormachtstellung zurückzuerobern. In den folgenden Jahren erreichte er den Höhepunkt seines Opernschaffens. In rascher Folge erschienen seine Werke, zwei bis fünf jedes Jahr. Auch die Kritik seiner Gegner, er schreibe in seinen Opern nur jeweils wenige Nummern selbst ganz aus und lasse im übrigen seine Schüler und Kopisten instrumentieren, konnten seiner Popularität nichts anhaben. 1782 wurde sein jüngster Sohn geboren. Danach verließ Guglielmi, der sich nie sonderlich um die Familie kümmerte, Frau und Kinder. Seine ständigen Liebesabenteuer und die damit verbundenen Duelle mit Ehemännern und Rivalen ließen ihm wohl keine Zeit für die Familie. Er galt als ein großer Verschwender und als einer der besten Fechter Neapels.

1793 erschien als eine seiner letzten Opern „La Lanterna di Diogenes“ — „DIE LATERNE DES DIOGENES“. Doch auch auf dem Gebiet der ernsten Musik war Guglielmi nicht untätig geblieben. Sein Oratorium „Debora e Sisara‘‘ kam so gut an, daß man ihm 1793 — trotz seines unsoliden Lebenswandels — die Stelle des Kapellmeisters von S. Pietro im Vatikan anbot. Nach seiner Übersiedlung nach Rom widmete sich Guglielmi überwiegend der Kirchenmusik, fuhr aber auch fort, für das Theater zu arbeiten. Die Ehrungen für den Meister häuften sich. Er wurde Mitglied der Akademie für Musik in Neapel, der Akademie S. Cecilia in Rom und in anderen angesehenen Zirkeln. 1797 erhielt er zusätzlich die Stelle des Kapellmeisters in der Kirche S. Lorenzo Lucina in Roms Innenstadt. Noch ein Jahr vor seinem Tod arbeitete er an einer letzten Oper. Am 19. November 1804 verstarb Guglielmi in Rom.

In der Musikwelt galt er später lange Zeit für unbedeutend, erst neuere Forschung hat in Guglielmi einen hervorragenden Meister des italienischen 18. Jahrhunderts wiedererkannt.

Angelo Anelli

(Pseudonym: Nicolo Liprando und Marco Landi) wurde am 1. November 1761 in Desenzano del Garda geboren. Er studierte zunächst in Desenzano Literatur, später in Padua Jura und betätigte sich auch politisch und als Historiker. Ab 1808 war er Professor für Rhetorik in Mailand. An der Mailänder Scala war er von 1793 bis 1817
Theaterdichter. Erschrieb u. a. die Libretti zu „Die Italienerin in Algier“ (Rossini), „Ser’ Mercantonio‘‘ (Pavesi), das Donizetti später als „Don Pasquale“ vertonte, und zu „Die Laterne des Diogenes“ (Guglielmi). Unter dem Titel „‚Le cronache di Pindo‘‘ entstanden zwischen 1811 und 1818 sieben Satiren auf die literarischen Zustände der Zeit, u. a. auch auf Klopstock und Schiller.

Am 3. März 1820 starb er in Mailand.

„Horst Vladar hat das an klangvollen Ensembles reiche Stück wiederentdeckt und auf humorvolle, der Musik entsprechende, ausziselierte Weise inszeniert. – Eine komische Oper, die mehr ist als der übliche italienische Buffa-Spaß.“
(Schwäbische Neue Presse, Augsburg, 31.7.87)

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