Das Urteil des Midas (Le Jugement de Midas – 1778)

(Le Jugement de Midas – 1778)

von A. E. M. Grétry – Th. d’Hèle

Apollo

Patrik Busert

Midas, Dorfrichter

Elmar Goebel

Palemon, Bauer

Horst Vladar

Thisbe, deren Tochter

Ulrike J. Jöris

Chloé, zweite Tochter

Elke Dittmann

Pan, Holzfäller

Michael Hoffmann

Marsyas, Schäfer

Marc-Antoine Probst

Landleute

Chor der Neuburger Kammeroper

Musikalische Leitung

Alois Rottenaicher

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Petra Mollerus

Korrepetition

Markus Poschner

Choreinstudierung

Andreas Abspacher

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

Produktionsassistenz

I. Akt, am Fuße des Parnaß:

Während eines Gewitters stürztApollo vom Himmel. Er überlebt, denn als Gott ist er ja unsterblich. Trotzdem hätte Zeus, wie er sich beklagt, ihn nicht aus dem Olymp zu werfen brauchen, nur weil er im Beisein Heras über die Amouren des
Göttervaters spottete. Als Gott der Dichtung und Gesangskunst tröstet er sich mit einer Hymne an die Musik. Damit lockt er einen simplen Bauern an, Palemon, der den fremden Burschen als Knecht annehmen will. Zwei Dinge reizen Alexis, wie er sich jetzt nennt, den Landarbeiter zu spielen. Erstens scheint es im Dorf recht musikalisch zuzugehen, vor allem der Dorfrichter Midas scheint geradezu versessen auf die Kunst des Schöngesangs. Und zweitens hat Palemon zwei entzückende Töchter, Thisbe und Chloe. Die sollen morgen heiraten, und zwar den Holzfäller Pan und den Schäfer Marsyas. Midas hält diese für die besten Sänger im Dorf, und er will sie mit den besten Sänge-
rinnen vermählt sehen, damit er sein Ensemble zusammenhalten und vielleicht gar belcantischen Nachwuchs erwarten kann. Palemon versteht sich gut mit dem derben Pan, der die populären Vaudeville-Lieder liebt, nicht aber mit seiner Frau Glaukis. Sie protegiert den schmachtenden Marsyas, der den pathetischen Stil der tragischen Oper pflegt, und will von Pan nichts wissen. Wie gut, daß das Ehepaar zwei Töchter hat, so daß es zu dem Kompromiss der Doppelhochzeit kommt. Der von Palemon neu eingestellte Knecht Alexis stört und soll nach Glaukis’ Willen verschwinden.

II. Akt, Zimmer in Palemons Haus:

Dem „Knecht” gefällt Thisbe ganz ausnehmend, Chlo& aber nicht minder, und vor allem: Die Mädchen haben sich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Für einen Sterblichen wären zwei Geliebte zuviel, aber für einen Gott ist nichts zu schwer. Zuerst bringt er Glaukis auf seine Seite; danach gewinnt er kurz nacheinander den Mädchen Liebesgeständnisse ab. Glaukis will Palemon ärgern, indem sie Chloés Wunsch unterstützt und sie statt dem Pan dem Alexis vermählt sehen will. Palemon hat das gleiche mit Thisbe vor, zu ungunsten von Marsyas. So ärgern sie sich gegenseitig, und auch die Bräutigame sind natürlich nicht erfreut. Alle erhoffen sich vom Dorfrichter Midas Unterstützung.

III. Akt, Festplatz des Dorfes:

Apollo hält es für einen üblen Dorfbrauch, daß sich die beiden Mädchen dem Vater respektive der Mutter anvertraut haben. Fehlte nur, daß sie sich gegen-seitig … Pan und Marsyas beschweren sich bei Midas, daß ihnen Palemon und Glaukis ihre Töchter vorenthalten wollen. Midas ist verärgert. Durch einen Sängerwettstreit will er diesen vorlauten Fremdling in die Schranken weisen.
Der Siegespreis sind die Mädchen. Alexis soll beginnen. Von welch hehrerem Stoff sollte er anheben als von Apollo? Er klagt über die in einen Lorbeerbaum verwandelte Daphne. Midas freilich meint: „Minderwertige Musik, geschmack-los gesungen”. Er ist für Stile, die zu seiner Jugendzeit in Mode waren und die Marsyas und Pan vorzüglich beherrschen. Einzeln wirken sie schon lächerlich, nun aber vereinigen sich Operntragödie und Vaudeville in einem seltsamen Quodlibetduett, das Midas begeistert. Thisbe und Chloe sind von Apollo
entzückt. Dieser macht einen letzten Versuch, den Wettbewerb zu gewinnen mit der Ariette von einer mit Kauz und Kuckuck wetteifernden Lerche, bei der ein Esel der unverständige Schiedsrichter ist. Auch Midas erweist sich, zunächst im übertragenen Sinn, als ein solcher. Er spricht in pathetischem Rezitativ Pan und
Marsyas den Preis im Singen und in der Liebe zu und verbannt Alexis. Da
wachsen ihm lange Ohren; Apollo gibt sich zu erkennen. Er versetzt die reizen-den Schwestern auf den ihm geweihten Berg Parnaß. Der Dorfrichter fleht umsonst um Gnade. Er müsse als abschreckendes Beispiel für anmaßende Kunstkritiker dienen, verkündet Apollo. Wahrer Kunstkritiker aber könne nur das Publikum sein.

Andre Ernest Modeste Gretry – der Komponist

1741   geboren am 11. Februar in Lüttich

1760   Stipendium für ein Musikstudium in Rom (1760-1766)

1765   erstes Bühnenwerk für das Teatro Aliberti in Rom

1766   Gretry verläßt Italien und geht als Musiklehrer und Gelegenheits-       komponist nach Genf. Erste Bekanntschaft mit der französischen Opera
comique. Zusammentreffen mit W. A. Mozart.

1767   Gretry geht auf Anraten Voltaires nach Paris. Die erste Oper für Paris wird leider ein Mißerfolg.

1768   „Le Huron“ wird der erste große Triumph an der Comédie Italienne. Von da ab erscheinen jährlich 2-3 Opern Gretrys auf der Bühne, die die Kassen des Theaters füllen.

1771   Eheschließung mit Jeanne-Marie Grandon (3 Töchter)

1778   Uraufführung von „L’Amant jaloux” – „Der eifersüchtige Liebhaber” (Neuburger Kammeroper 1980) und von „Le Jugement de Midas” – „Das Urteil
des Midas” (Neuburger Kammeroper 1994)

1784   „Richard Coeur-de-Lion” – „Richard Löwenherz” – sein bekanntestes Werk

1795   nach dem Ende der französischen Revolution ist Gretrys Stil nicht mehr gefragt, seine Werke geraten in Vergessenheit.

1797   Gretry widmet sich der Literatur, es erscheinen Bände seiner Memoiren und verschiedene literarische und musikwissenschaftliche Werke. Gretry wird einer der ersten Ritter der Ehrenlegion.

1805   setzt man ihm bereits zu Lebzeiten ein Denkmal im Théâtre de l’Opéra Comique. Er lebt zurückgezogen auf dem Lande in Montmerency.

1813   am 24. September stirbt Gretry in Montmerency.

1828   erhält nach langen Prozessen seine Geburtsstadt Lüttich, auf Gretrys letzten Wunsch, sein Herz zur würdigen Bestattung.

Thomas D’Hèle – der Librettist

1740?   geboren in England (genaues Datum und Ort unbekannt) als Thomas Hale. )

1758?   Militärdienst bei der englischen Marine, Aufenthalt in Jamaica. Schwere gesundheitliche Schäden durch Alkoholexzesse.

1760?   Reisen durch ganz Europa. Längere Aufenthalte in Italien und in der Schweiz.

1770?   Ankunft in Paris. Verschwendung seines (kleinen) Vermögens. Schrift-stellerei in französischer (!) Sprache.

1777    Veröffentlichung seines „Roman meines Onkels” in der „Literarischen Korrespondenz”. Bekanntschaft und Freundschaft mit A. E. M. Gretry.

1778   Libretto zu „Das Urteil des Midas” („Le Jugement de Midas”, Neuburger Kammeroper 1994) mit Hilfe von L. Anseaume (Verse zu den Gesangstexten) und zu „Der eifersüchtige Liebhaber” („L’Amant Jaloux”, Neuburger Kammer-oper 1980).

1779   Libretto zu „Les Evenements Imprevus” („Unvorhergesehene Ereig-nisse”), wieder für A.E.M. Gretry. Leidenschaftliche Freundschaft mit der Schauspielerin Mlle. Bianchi. Aufgabe der Karriere als Dramatiker.

1780   27. Dezember: Tod in Paris aus Gram über die Trennung von seiner Freundin.

„Ein Stoff so recht für ein sommerleicht beflügeltes Musiktheater, das Regisseur Horst Vladar unschwer in die richtigen Schwingungen versetzt. Hochinteressant, daß einem bei diesem ausgelassenen Spiel der Zeitgeist ausgerechnet der Französischen Revolution begegnet!“
(Augsburger Allgemeine, 25.7.94)

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