Der Herr Doktor (Il signor dottore – 1758)

(Il signor dottore – 1758)

von D. Fischietti – C. Goldoni

Beltrame, ein Bauer

Horst Vladar

Bernardino, sein Sohn

Bahram Gandje

Pasquina, dessen Schwester

Cornelia Guber

Fabrizio, Apotheker und Krämer

Hans Hitzeroth

Rosina, dessen Schwester

Karin Schibli

Dorfleute

Anita Kerner, Kerrie Sprenzel, Sebastian Garmatter,

Walter Garmatter, Tobias Kunze, Klaus Labitzke

Musikalische Leitung

Alois Rottenaicher

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Ulrich Hüstebeck

Musikal. Assistenz und Korrepetition

Christiane Wagner

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

I. Akt

Dorfapotheker und Krämer Fabrizio beklagt sich schwer: Die Kundschaft bleibt aus. Seine Schwester Rosina und er drohen zu verhungern. Einer kommt doch und will Schokolade, dieses „neumodische Zeug”, kaufen. Es ist der Bauer Beltrame, – der damit einen Wunsch seines vom Studium heimkehrenden Sohnes Bernardino erfüllen will. Zugleich nutzt er die Gelegenheit, Rosina und Fabrizio zu erklären, Bernardino sei jetzt Doktor und deshalb wie er selbst ab
sofort mit „Herr” anzureden. Auch solle sich Rosina ein Wiederaufleben der alten Liebelei mit dem Herrn Doktor aus dem Kopf schlagen. Sie glaubt jedoch wie Fabrizio, der die Doktorsschwester” Pasquina liebt, ihre Liebe werde siegen.

Pasquina sinniert über Gefühl und Verpflichtung, aber die Aussicht, eine „gnädige Frau” zu werden, reizt sie sehr. Als Fabrizio die bestellte Schokolade bringt, belehrt sie ihn, daß er für die Schwester eines „Herrn Doktor” als Ehemann nicht in Frage komme. Beltrame gibt mit seinem Sohn mächtig an und läßt ihn die neu-erworbenen (Latein-)Kenntnisse vorführen. Der Apotheker ist wenig beeindruckt und geht in die Küche, um die Schokolade zu bereiten. Bernardino erzählt zur Freude seines Vaters von seiner Werbung um die Dorfgräfin. Es stehe bestens!

Rosina kommt, um den ‚Herrn Doktor” zu beglückwünschen und „darf” zur Schokolade bleiben. Diese heiße, dunkle Brühe erregt allerdings Beltrames Mißfallen, und so kreist bald nach alter Sitte – und gar nicht so vornehm – die Weinflasche.

II. Akt

Rosina liebt ja Bernardino nach wie vor und versucht, vernünftig mit ihm zu reden.Er jedoch dreht und wendet sich, und als er ihr endlich doch seine Liebe gesteht, weist sie ihn zurück: sie glaube ihm kein Wort. Verstört bleibt der „Herr Doktor” zurück.

Beltrame bereitet mit Knechten den Empfang der Dorfgräfin vor. Bernardino versucht vorsichtig, dem Vater klarzumachen, daß diese doch noch zögere. Fabrizio hat Rosina wieder geholt und beide werden zum gräflichen Empfang eingeladen. Als allerdings Pasquina verrät, daß Bernardino immer noch Rosina
liebt, wirft Beltrame alle wütend hinaus. Und die Gräfin ist sowieso nicht
erschienen.

Um Vater und Schwester zu beruhigen, sagt Bernardino, er habe sich mit Rosina nur den Spaß eines „Herrn Doktors” erlaubt. Sie glauben ihm aufs Wort, und Pasquina läßt daraufhin Fabrizio, der die Versöhnung sucht, erneut abblitzen. Nun beschließt Fabrizio, zu drastischeren Mitteln zu greifen. Schließlich hat er ja in der Stadt Nachforschungen nach Bernardino anstellen lassen. Und als dann Beltrame wieder einmal auf die Gräfin wartet, kommen statt ihr Fabrizio und Rosina. Sie lesen den Brief der Universitätsprofessoren vor: Bernardino hat sein Geld verjuxt, statt zu studieren. Wütend und ent-täuscht entfernen sich Beltrame und Pasquina. Fabrizio ist fürs erste zufrieden
und folgt Pasquina, um sich mit ihr zu versöhnen. Rosina möchte zunächst dem um Vergebung bitten, dem Bernardino gegenüber hart bleiben, erliegt aber bald seinem Flehen. – Die anderen kommen zurück. Beltrame drückt Bernardino Rechen, Gabel und Flegel in die Hand: damit soll der „Herr” nun sein Brot verdienen.

Domenico Fischietti – Leben

Fischietti wurde wahrscheinlich 1725 in Neapel geboren. Gestorben ist er frühestens 1810 in Salzburg. Er studierte am Conservatorio San Onofrio unter Leo
und Durante, debütierte 1742 mit „Armindo” im Teatro Fiorentini in Neapel, trat schon vor 1745 Goldoni nahe und gewann mit „Lo speziale” nach Goldonis Text seinen ersten bedeutenden Erfolg. 1764 ist er als Dirigent der Bustellischen Theatertruppe in Prag.nachweisbar, gehörte aber aller Wahrscheinlichkeit nach schon vorher der Theatertruppe Medebac sowie der Truppe Molinari in Prag an.
Durch Reskript vom 3. April 1766 wurde er als Hofkapellmeister in Dresden engagiert mit einem Gehalt von 600 Reichsthalern, wobei es sich sowohl um die Leitung der Kirchenmusik, „wechselweise” mit Schürer und Naumann, als auch um die Leitung der Buffooper handelte. 1772 verließ er Dresden, kam über Wien nach Salzburg, wo er am 5. September nach Aufführung einer Probemesse und mit Befürwortung durch Hasse und Wagenseil mit einem Gehalt von 800 Fl. vom Fürsterzbischof Hieronymus, unter Umgehung Leopold Mozarts als Leiter der Kapelle berufen wurde. Fischietti war in Salzburg auch als Leiter der Theater-musik tätig und hat zweifellos bald nach seiner Ankunft Anfang September 1772 das Gastspiel der Truppe des Fürsten Esterhazy mit J. Haydn als Dirigent miterlebt. Zwischen 1776 und 1783 erscheint sein Name nur noch mit der Bezeichnung „Titularkapellmeister” im Kirchen- und Hofkalender, dann verliert sich seine Spur. Wahrscheinlich kehrte er nach Italien zurück, wo er während seiner Salzburger Zeit nochmals als Komponist zu Ehren gekommen war. Mit seinen Hauptopern, mit Arien, Ouvertüren und Kirchenmusik war Fischietti an vielen Stellen Europas zwischen 1755 und Ende der 1770er Jahre bekannt und ‚
geschätzt; außer den Hauptstätten des italienischen Musiklebens mit Venedig als Zentrum sind u. a. zu nennen: Wien, Dresden, Prag, Salzburg, London, Kopen-hagen, Berlin, München, Bonn, Madrid, Barcelona, Warschau, Triest. Kränklich-keit, ein relativ frühzeitiges Erlahmen der Produktivität und Mangel an organisa-torischer Fähigkeit hemmten seine Karriere, vor allem während.der Dresdner
und Salzburger Jahre.

Carlo Goldoni – Leben

Goldonis frühen Jahre waren voller Fehlversuche. Er fühlte schon literarische Neigungen, als er noch zur Schule ging, schrieb aber nur unbedeutende Poesie. Er studierte Jura in Padua und wurde 1732 in Venedig zum Gericht zugelassen. Inzwischen hatte er einige komische Intermezzi geschrieben (1729-32) und ein dramma per musica, das er selbst wieder vernichtete (1733). Da er seinen Beruf am Gericht wenig einträglich fand, schloß er sich 1734 einer Commedia dell’arte-Truppe an, die er mit gesprochenen Tragikomödien und gesungenen Intermezzi – meist von unbekannten Komponisten vertont und zwischen den Akten der gesprochenen Stücke gesungen – versorgte. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß Vivaldi sein „Aristide” vertonte, wie manche annehmen. Er wurde auch ange-euert, um Domenico Lalli zu assistieren, dem Hausdichter des wichtigsten Opern-hauses Venedigs „San Giovanni Grisostomo”; dies bedeutete, opere serie auf die Bühne bringen zu helfen und ihre Libretti anzupassen oder zu schreiben. Die so erworbene Erfahrung in zwei verschiedenen Sparten des Theaters sollte ihm später sehr nützlich sein. Inzwischen aber scheint er angestrebt zu haben, ein ernster Dichter à la Metastasio zu werden, denn die Jahre 1736 bis 1741 erlebten den bescheidenen Erfolg von mindestens fünf seiner opere serie in S. Giovanni Grisostomo.

Finanzielle Probleme beendeten diese frühe Phase seiner Karriere. 1743 verließ er Venedig und ließ sich in der Toskana nieder, um sich erneut der Rechtswissen-schaft zu widmen. Als er 1748 nach Venedig zurückkehrte, stand er bei einer anderen Commedia dell’arte-Truppe unter Vertrag. Goldoni wandte sich ab von den traditionellen Szenarios zugunsten von voll ausgeschriebenen Textbüchern
und fand im Alter von 40 Jahren den Einstieg in die Karriere, die ihm seinen Platz in der italienischen Literatur erobern sollte. |

Zur selben Zeit startete er die lange Reihe Libretti für opere buffe, zunächst mit Ciampi, bald (1749) mit Galuppi, in einer Zusammenarbeit, die in den nächsten 7 Jahren einige der erfolgreichsten Opern des Jahrhunderts hervorbringen sollte. Goldoni arbeitete schnell; für das Libretto einer komischen Oper brauchte er 4 Tage, wie er in einem Brief vom 24.7.1762 aus Bologna schrieb, als er gerade „La bella verita” („Schöne Wahrheit”) für Piccini beendet hatte, ein Libretto von besonderem Interesse, da es die Produktion einer opera buffa behandelt und sich lustig macht über Sänger und Konventionen. Goldoni war damals auf dem Weg nach Paris, wo er im August ankam. Dort ließ er sich auf Dauer nieder, kehrte nie nach Italien auch als Librettist hielt noch eine Weile an; sein letzter, großer Erfolg war eine Komödie, die er in Französisch schrieb: „Le bouru faisant”, 1771 von der Comedie francaise aufgeführt. Aber sein letztes Werk war – wie sein erstes – ein Libretto (Il talismano – 1778).

„Erfrischend und getragen von spürbarer Laune: das Spiel auf der Bühne. Ein kräftiger Schuß Commedia dell’Arte weht in die diesjährige Kammeroper herein. Prächtige Figuren und kraftvolle Typen begeg- nen in Horst Vladars von guter Personenführung gekennzeichneten Regie. – Fischiettis Streichersatz ist delikat, die Behandlung der Bläser oftmals gewitzt und fast schon kühn.“
(Neuburger Rundschau, 24.7.95)

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