Der Türke in Italien (Il turco in Italia – 1788)

(Il turco in Italia – 1788)

von Fr. Seydelmann – C. Mazzolà

Selim, ein türkischer Pascha

Patrick Busert

Zaide, eine entflohene Haremsdame

Michaela Dobmeier

Albazar, ihr treuer Diener

Hartmut op der Beck

Don Baccalare, ein reicher, einfältiger Italiener

Elmar Goebel

Fiorilla, seine kokette Frau

Ulrike J. Jöris

Der Dichter

Horst Vladar

Zigeuner

Chor der Neuburger Kammeroper

Musikalische Leitung

Stefan Klingele

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Fredi Neubauer

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Choreinstudierung

Andreas Abspacher

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

Akt I

Ein Dichter irrt über eine leere Opernbühne. Er soll für ein Jubiläum eine Opernhandlung erfinden und läßt seiner Phantasie freien Lauf, Zigeuner seien ein guter, malerischen Anfang, findet er, vor allem in einem bunten italieni-schen Hafenstädtchen. Unter dem lebenslustigen Völkchen versteckt sich auch die unglückliche Zaide. Sie war einst die Lieblingsdame des türkischen Paschas Selim. In Ungnade gefallen, konnte sie nur dank des ihr treu ergebenen, sie begleitenden Sklaven Albazar einem bösen Schicksal entgehen.

Um Leben in die Handlung zu bekommen, zitiert der Dichter den Pascha einfach nach Italien. Für die Lacher führt er den trotteligen, mit Recht auf seine Frau Fiorilla eifersüchtigen Don Baccalare in die Handlung ein. Die kokette Fiorilla gewährt nämlich Selim ein Stelldichein. Der Pascha ist von Fiorillas Reizen begeistert. Baccalare versucht, ihr eine Szene zu machen, doch ist er der Raffinesse seiner Frau nicht gewachsen. So sehnt er sich nach seiner treuherzi-gen ersten Gattin zurück. Der Dichter versucht, ihn zur Rachetat aufzustacheln.

Bei den Zigeunern trifft Selim auf die ihn immer noch liebende Zaide, die er aber erst erkennt, als sie ihm aus der Hand liest. Er verliebt sich aufs neue in sie und will mit ihr noch am selben Tag in die Heimat zurücksegeln. Das wäre aber dem Dichter ein zu schnelles Ende seiner Oper, und so läßt er Fiorilla mit einer ausgelassenen Maskengesellschaft auftreten, um die Abfahrt zu verhindern und mit einem Streitfinale den ersten Akt schließen zu können.

Akt II

In einer Taverne diskutiert der Dichter mit Baccalare dessen „Rolle”. Er ver-sucht vergebens, die Eifersucht des Verzagten anzuheizen. Fiorilla kommt mit ihren maskierten Freunden, und auch Zaide und Selim stellen sich ein. Als Zaide sieht, daß sich der Pascha erneut von Fiorilla bezaubern läßt, eilt sie mit Selbstmordplänen davon. Baccalare entfernt durch eine List auch Selim. Als
ihn Fiorilla wieder verspottet, wirft er sie endlich aus seinem Haus und dreht den Geldhahn zu. Die maskierten „Freunde” verlassen daraufhin sofort Fiorilla, die sich plötzlich mittellos mit einem harten Leben konfrontiert sieht. Sie will Selim suchen, der sie in den Orient mitnehmen soll.

Der Dichter sinnt auf einen guten Schluß: Die verzweifelte Zaide läßt er Gift nehmen. Als sie der reuevolle Selim findet, trinkt er ebenfalls davon. In einer komischen Oper ist das Gift natürlich ein Schlaftrunk. Mit der Maskengesell-schaft verwandelt der Dichter die Szene in ein mohammedanisches Paradies. Zaide und Selim erwachen und glauben sich im Himmel. Sie sinken sich selig in die Arme. Baccalare hat seine Härte bereut und sucht die umherirrende Fiorilla, die froh ist, als ihr der Gatte nochmals verzeiht. Selim und Zaide wird klar, daß das Paradies noch irdisch ist. Der Dichter hätte ein turbulentes Finale bevor-zugt, doch tröstet ihn der Gedanke, daß auch ein Happy-End, erst recht ein doppeltes, seine Wirkung haben wird.

Franz Seydelmann – der Komponist

wurde 1748 in Dresden als ältester Sohn des Tenoristen der kurfürstl . Kapelle, Franciscus Seydelmann, geboren. Sein erster Lehrer nach seinem Vater war der Organist Johann C. Weber; nach dessen frühen Tod übernahm der Kirchen- und Kammermusik-Komponist Johann Gottlieb Naumann den Unterricht. Seydelmann und sein Studiengenosse Joseph Schuster begleiteten Naumann auf einer Reise nach Italien. Während dieser Zeit von 1765 – 1768 vervollstän-digte er seine Studien in Neapel, Palermo, Bologna und Padua. Er entschloß sich zu einer Laufbahn am Theater. 1772 wurde er aber zunächst mit dem
Titel „Kirchenkomponist” am Dresdner Hof engagiert, 1787 dann als „Kapell-meister“, jeweils gleichzeitig mit Schuster. Zu seinen Pflichten gehörten die Pflege der Kirchenmusik in der Katholischen Hofkirche und das „Accompagne-ment der opera buffa“.

Immer wieder hatte er die alleinige Verantwortung für die Oper, denn Nau-mann und Schuster ließen sich des öfteren für längere Zeit beurlauben. 1773 wurde im Kleinen Kurfürstlichen Theater in Dresden Seydelmanns frühestes bekannt gewordenes Werk „La serva scaltra“ uraufgeführt, dem in den Jahren danach viele folgten. In dieser Zeit entstanden auch Sonaten und Oratorien. 1780 heiratete er die Witwe Joanna Friederica Müller, geb. Knauth. Nach einer vorübergehenden Schließung des Theaters wegen des Bayerischen Erbfolge-Krieges beteiligte er sich ab 1780 mit einigen nicht unbedeutenden Singspielen („Die schöne Arsene”, „Der Kaufmann von Smyrna”, „Der lahme Soldat”) an der Entwicklung einer deutschsprachigen Oper. Der konservative Geschmack am Hofe zwang ihn wie die anderen Komponisten, wieder italienische Opern zu komponieren. Sein chinesierendes Werk „Il mostro” (1785) war ebenso erfolg-reich wie seine Oper „Il turco in Italia” (1788), die Konstanze Mozart nach einer Vorstellung in Wien ihrem Mann beschrieben hat. Die Oper „Amor per oro” war 1790 sein letztes Bühnenwerk. Danach komponierte er bis zu seinem Tode 1806 nur noch sakrale Musik.
Seydelmann schrieb weniger Opern als seine Dresdner Zeitgenossen, aber
qualitativ braucht er sich nicht zu verstecken: seine Werke zeigen Melodien-reichtum, durchkomponierte Teile und farbige Orchestrierung. Als introver-tierter Mensch hatte Seydelmann Schwierigkeiten, sich in der an Intrigen reichen Welt des Dresdner Hofes zurechtzufinden. Mag sein, daß dabei seine Neigung zum Trunk eine gewisse Rolle spielte, auf die Mozart in seinem Brief vom 16. Mai 1789 aus Dresden an Konstanze humorvoll anspielt. So erklärt sich vielleicht, warum er nie zu den ganz bekannten Komponisten gehörte.

Caterino Mazzolá – der Librettist

Caterino Mazzolá, Autor von 29 Opernlibretti, von Kantaten und Oratorien, Übersetzer von Voltaire, ist heute weit weniger bekannt als zwei seiner
berühmten Zeitgenossen und Freunde: Lorenzo da Ponte und Giacomo Ca-sanova. Zu seinen Lebzeiten jedoch genoß Mazzolà sehr wohl einen ge-
wissen Ruhm, spätestens seit dem großen Erfolg seiner komischen Oper „La scola de‘ gelosi” (1778) mit der Musik von Antonio Salieri, die in ganz Italien gespielt wurde.

Am 18. Januar 1745 wurde Mazzolà in Longarone, Venetien, geboren. Er besuchte die Jesuitenschule und schloß sein Studium in Venedig mit den niede-ren Weihen ab. Danach heiratete er die Witwe Teresa Tomasini. Schon 1769 gelangte sein erstes Werk „Ruggiero”, Musik von Pietro Guglielmi, in Venedig zur Aufführung. In den folgenden Jahren schrieb er fünf weitere, unterschied-liche dramatische Textvorlagen. Mazzolà, der auch Libretti für die „opera seria” verfaßte, fand heraus, daß es ihn mehr interessierte, heitere Stoffe zu verarbei-ten. Da Ponte lobt ihn in seinen „Memorie” als den ersten Librettisten, der es verstand, wirklich komisch zu schreiben. 1778 kam einer der führenden Kapellmeister der Dresdner Hofkapelle, Josef Schuster, nach Venedig
und lernte dort Mazzolà kennen. Die beiden arbeiteten zusammen an der Oper „Bradamante”. Schuster war es auch, der Mazzolà die Stelle als Dichter am Hof
Friedich Augusts III. in Dresden verschaffte, die er im Herbst 1780 antrat. 16
Jahre verbrachte Mazzolä dort, unterbrochen nur von einem viermonatigen Aufenthalt in Wien, wo er zusammen mit Mozart an einer Umarbeitung von
„La clemenza di Tito” arbeitete. In seiner arbeitsreichen Dresdner Zeit entstan-den 15 Libretti, u. a. 1788 „Il turco in Italia“.Seydelmann hatte schon früher zwei Opern Mazzolàs vertont: „II capriecio corretto” (1783) und „La villanella di Misnia” (1784). Als Mazzolà 1793 das Angebot erhielt, als Dichter für Grafen Perelada in Venedig zu arbeiten, nahm er sofort an, denn er hatte nie aufgehört, sich im „kalten und feuchten Klima Sachsens”, wie er es nannte, nach seiner südlichen Heimat zu sehnen. 1796 kehrte er nach S. Merciliano nahe Venedig zurück, wo er am 16. Juli 1806 starb

„Die Partitur dieses Mozart-Zeitgenossen, reich an Melodien und farbig instrumentiert, fesselt durch abwechslungsreiche Charakterisierungskunst, die den Bogen in den Arien vom Galant-Elegischen zum Parodistischen spannt, in den Ensembles vom virtuosen Lachduett zum volkstümlichen Vaudeville.“
(Opernwelt X/93)

 

„Unter Vladars herzerfrischendem Zugriff konnte der ‚Türke in Italien‘ nur gewinnen!“
(Augsburger AZ,19.7.93)

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