Eine feine Gesellschaft (La Casa di Campagna – 1773)

(La Casa di Campagna – 1773)

von Florian Leopold Gassmann – Giovanni Gastone Boccherini

Laura, Schwester das Alberto

Ursula T. Maxhofer

Alberto, Privatier

Horst Vladar

Lelio, Liebhaber der Laura

Mathias Heubusch

Rosalba, Lauras Freundin

Uta Wittekind

Brandone, Rosalbas Mann

Bahram Gandje

Fiorilla, Frau des Cosimo

Cosimo, Fabrikant

Irene Kurka

Elmar Goebel

Musikalische Leitung

Alois Rottenaicher

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Ulrich Hüstebeck

Korrepetition, musikal. Assistenz

Markus Hanke

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Der Privatier Alberto und seine Schwester Laura haben Gäste in ihr Landhaus eingeladen, um deren Zuneigung zu erringen und ihren Rang in der Gesellschaft zu behaupten. Laura glaubt, durch einen jungen Liebhaber könne sie das Älterwerden stoppen, und versucht deshalb Lelio an sich zu binden. Dieser hat sein väterliches Erbteil durchgebracht, ist aber an ein Leben in Luxus gewöhnt und spielt nun den Verliebten. Den Hausherrn plagen – nicht zuletzt Dank mancher „Wässerchen“ – solche Probleme nicht. Er will die durch das (Ehe-)Leben frustrierte, scharfzüngige Rosalba und ihren trägen Ehemann Brandone mit möglichst vielseitiger Unterhaltung beeindrucken. Das verbindet er mit seinen eigenen Vorlieben und hat deswegen eine Jagd arrangiert.

Da erscheinen neue Gäste: der Fabrikant Cosimo mit seiner jungen, noch ziemlich naiven Frau Fiorilla. Schon bald ist bei der „feinen Gesellschaft“ zu bemerken, daß trotz des anscheinend freundschaftlichen Tones nicht alle freundliche Gefühle für einander hegen. Vor allem durch Lelio kommt es zu Dissonanzen.Der glaubt zu wissen, was man von einem Kavalier erwartet, und stellt zum Ärger des betagteren Cosimo unverblümt Fiorilla nach. Auch mit und zwischen dem anderen Ehepaar gibt es Konflikte. Nach einigem Hin und Her brechen die Männer zur Jagd auf. Die unternehmungslustigen Frauen beschließen, die Männer dort zu überraschen.

Die Jagdgesellschaft gerät in ein schlimmes Gewitter und hastet zurück zum Landhaus. Die Spannungen – zunächst durch das gemeinsam erlebte Unwetter anscheinend noch einmal beruhigt – nehmen deutlich zu, als Rosalba die “glückliche“ Gastgeberin mit den Liebe schwörenden Lelio überrascht: Hat sie doch genau bemerkt, wie unverhohlen Lelio der hübschen Fiorilla nachstellt. Ihre spitzen Bemerkungen reizen nicht nur Cosimo. Nach dem Essen „überredet“ man die sich zierende Laura, die Gesellschaft mit Gesang zu unterhalten, aber auch dabei kommt es zu Reibereien, genauso wie beim gemeinschaftlichen Kartenspiel.

Alberto verspricht sich von einem abendlichen Maskenfest großen Erfolg und Versöhnung. Dort bringt ein neuerlicher Versuch Lelios, bei Fiorilla zu landen, die „feine Gesellschaft“ zur Explosion. Alle unterdrückten Gemütsregungen, Rivalitäten und Aversionen brechen auf. Die „feine Gesellschaft“ geht mit allseitigen Vorwürfen und wüsten Beschimpfungen auseinander.

Florian Leopold Gaßmann wurde am 3. Mai 1729 im böhmischen Brüx – dem heutigen Most -, wo sich sein Vater 1717 als Gürtler und Krämer niedergelassen hatte, geboren. Ungeklärt ist bis heute, ob die Grundlagen seiner musikalischen Entwicklung im Komotauer Jesuitengymnasium gelegt wurden. Vor allem wird der Brüxer Chorregent Johann Woborschil als Förderer der Begabung Gaßmanns im Gesang, auf der Violine und der Harfe in den Lebensberichten genannt. Vater Gaßmann wollte aber nicht, daß der Sohn Musiker wurde, und gab ihn mit zwölf Jahren zu einem Kaufmann in die Lehre. Florian sah nur einen Ausweg: die Flucht aus dem Elternhaus und eine Reise ins damalige Zentrum der Musik, nach Italien. Das Geld für diese Reise soll er sich in kurzer Zeit durch sein Harfenspiel in Karlsbad verdient haben.

Wenig wissen wir über diese Jahre der Wanderschaft, doch scheint es erwiesen zu sein, daß er sich in Venedig, Florenz, Rom, Neapel und Bologna aufgehalten hat. Hier wurde er Schüler des Padre Giovanni Battista Martini, dem berühmtesten italienischen Musiktheoretiker seiner Zeit. Angestellt war er in Venedig für einige Zeit beim Grafen Leonardo Veneri und möglicherweise beim venezianischen Mädchen-Konservatorium degl’ Incurabili, wie man wegen überlieferter Kompositionen für Frauenstimmen aus dieser Zeit vermutet. Der Aufenthalt in Venedig war auf jeden Fall für Gaßmanns Entwicklung als Musiker von bestimmendem Einfluß. Hier war das Beste aller musikalischen Disziplinen in den Kirchen und bei privaten Konzerten zu hören. Vor allem aber gab es ein blühendes Opernleben. In den verschiedenen Opernhäusern spielte man die neuesten Werke der besten Komponisten der Zeit: Johann Adolf Hasse, Baldassare Galuppi, Niccolò Jomelli, Domenico Scarlatti und Niccolò Piccini. Es kam zur Bekanntschaft mit dem Librettisten Carlo Goldoni, mit dem Gaßmann später mehrmals zusammenarbeiten sollte.

Seine erste Oper Merope hatte im Karneval 1757 Premiere am berühmten Teatro s.Moisè. Diese opera seria hatte so großen Erfolg, daß er daraufhin bis 1762 jedes Jahr den Auftrag für eine Oper erhielt. Im Jahr 1763 nahm Gaßmann ein Angebot des kaiserlichen Hofes in Wien an, wurde dort Ballettkomponist und ein Jahr später, nach dem Erfolg seiner Oper L’Olimpiade, Theaterkapellmeister als Nachfolger von Christoph Willibald Gluck. Als anläßlich des Todes Kaisers Franz I. alle Bühnen der Kaiserstadt für ein Trauerjahr (1765/66) geschlossen blieben, kehrte er nochmals nach Venedig zurück, um dort 1766 seine Oper Achille in Sciro zur Aufführung zu bringen. Dabei lernte er den 15jährigen Antonio Salieri kennen und nahm ihn 1767 als Schüler nach Wien mit. In den folgenden Jahren wandte er sich immer mehr der opera buffa zu und schrieb – meist nach Libretti von Goldoni – seine bekanntesten Opern: L’amore artigiano (Die Liebe unter den Handwerksleuten), La notte critica (Die unruhige Nacht), L’opera seria und La contessina (Die junge Gräfin). Die letztgenannte – die Neuburger Kammeroper brachte sie 1971 – wurde 1770 anläßlich der Zusammenkunft des Kaisers Joseph II. mit dem Preußenkönig Friedrich II. in Mährisch Neustadt uraufgeführt. Sie fand bei den Herrschern und den anderen Zuhörern ein überaus positives Echo und Friedrich II. machte Gaßmann sogar ein Stellenangebot. Gaßmann lehnte höflich ab, entschädigte aber den König mit mehreren Flötenkompositionen. Kaiser Josef II. ernannte ihn, sobald die Stelle frei wurde, 1772 zum Hofkapellmeister.

Im Jahr 1768 hatte Gaßmann Barbara Damm, die Tochter eines kaiserlichen Hofstrumpfwirkers, geheiratet. Die beiden Töchter aus dieser Ehe wurden Schülerinnen Salieris und waren schon in jungen Jahren gefeierte Bühnensängerinnen. Gaßmann sorgte aber nicht nur für seine Familie, sondern gab 1771 auch die Anregung zur Mus. Sozietät der Witwen und Waisen. Ein Jahr später wurde er Vizepräsident dieser sozialen Einrichtung. Mit dem Erlös aus Konzerten der Sozietät unterstützte man die Hinterbliebenen von Musikerkollegen. Mit Gaßmanns so von 200 Mitwirkenden aufgeführten Oratorium La Betulia liberata wurde 1772 das öffentliche Konzertleben in Wien begründet.

Gaßmann setzte als Hofkapellmeister seine ganze Kraft für den Wiederaufbau der lange Zeit sehr vernachlässigten Hofkapelle ein, die besonders für die Kirchenmusik zuständig war, und erwarb sich als Vorstand der Hofbibliothek große Verdienste um die Neuordnung und den Erhalt des kostbaren Bestandes dieses Archivs. Für das Burgtheater schrieb er weitere komische Opern, darunter zusammen mit Giovanni Paisiello Don Quischott von Mancia (1771). Seine letzte Oper La casa di campagna (Eine feine Gesellschaft) – das gesellschaftskritische Libretto stammt von G. G. Boccherini, dem Bruder des bekannten Komponisten – wurde am 13. Februar 1773 im Burgtheater uraufgeführt.

Beim Sturz aus einer Kutsche auf seiner letzten Italienreise hatte sich Gaßmann innere Verletzungen zugezogen, die ihm zunehmend zu schaffen machten und von denen er sich nicht mehr erholen sollte. Er starb am 20. Januar 1774 in Wien und wurde dort auf dem Schwarzspanierkirchhof begraben. Ein Zeitgenosse, der Hoftheatersekretär Joseph von Sonnleithner, schrieb über den Menschen Florian Leopold Gaßmann: „Er hatte besten moralischen Charakter; gewöhnlich war er sehr ernsthaft und in sich gekehrt, unter vertrauten Freunden heiterte sich aber sein ganzes Wesen bis zu einem hohen Grade von Lustbarkeit auf. Er erwies nicht nur seiner Familie große Wohltaten, sondern war auch überhaupt ungemein dienstfertig.“ Über den Künstler Gaßmann haben wir wohl von W. A. Mozart das ehrendste Urteil: „Wenn Sie nur erst alles kennten, was wir in Wien von ihm haben! Komme ich heim so will ich seine (Kirchen)Musiken fleißig studieren und hoffe viel daraus zu lernen.“

Der Librettist

Giovanni Gastone Boccherini, ist der ältere Bruder des berühmteren Komponisten Luigi Boccherini. Geboren wurde er am 5. Februar 1741 in Lucca. Er debutierte zunächst als Tänzer 1757 in Venedig, doch hatte er seine großen Erfolge in den Jahren 1759 bis 1771 in Wien, wo er unter Noverre, dem „Shakespeare des Tanzes“ als Tänzer und Choreograph tätig war. Der Erfolg verließ ihn nicht, als er 1767 auch als Librettist (vor allem für Salieri und Gaßmann) eine Karriere begann. Er wurde Mitglied der Academia dell’ Arcadia und publizierte eine Sammlung mit Sonnetten. Sein erstes LibrettoTurno, re dei Rutoli, ein „dramma tragico“, wurde zwar niemals in Musik gesetzt, zeigt jedoch Progressivität. Eine Empfehlung des damals führenden Librettisten Calzabigi führte zum Kontakt mit Salieri, der zu den meisten der nachfolgenden Libretti die Musik schrieb.Sie zeigen Talent für Pantomime und Choreographie und Leichtigkeit im Umgang mit den Anforderungen des Theaters. Für Gaßmanns komische Oper EINE FEINE GESELLSCHAFT, die als La casa di campagna (Das Landhaus) am 13. Februar 1773 im Wiener Burgtheater uraufgeführt wurde, hat er vermutlich Anregungen aus sogenannten „Campagna“-Stücken Goldonis, den Gaßmann kannte und schätzte, verarbeitet. Boccherini war von 1772 bis 1775 Künstlerischer Leiter des Burgtheaters. 1781 ging er zu seinem Bruder nach Spanien und war von 1796 bis 1798 Librettist, Choreograph und Generalintendant am Theater Caños del Peral in Madrid. Danach verlieren sich die Spuren. Vermutlich starb er – wie sein Bruder – in Madrid.

Fl. L. Gassmann (1729-1774) gilt als Wegbereiter der Wiener Klassik. Einige seiner Opern wurden gerade in letzter Zeit wieder mit großem Erfolg aufgeführt. So hieß es auch zur Produktion der NKO u. a.:

 

„Ein höchst außergewöhnliches wie bemerkenswertes Bühnenstück, das jeder modernen Soap Opera Ehre machte.“
(Augsburger Allgemeine)

 

„…bewies erstaunliche Modernität. Textlich wie musikalisch ist das Stück von hohem Reiz. Initiator und Regisseur Horst Vladar kostete alle Bosheiten liebevoll aus und hielt das Werk in ironischer Schwebe, während die Sängerschar vor allem durch glaubhaft eingesetzte Stimmcharaktere fesselte … ein rundum vergnüglicher Abend“
(Crescendo)

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