Männer! Augen auf!

(Mariti aprite gli occhi! ossia La gelosia corretta)

Musikkomödie in 2 Akten

Libretto von Andrea Leone Tottola

Musik von Michele Enrico Carafa (de Colobrano)

Uraufführung im Frühjahr 1815 im Teatro de’ Fiorentini, Neapel

Übersetzung: Annette und Horst Vladar (2010)

Dott. Procopio Fracci

Michael Hoffmann

Constanza, seine Frau

Yvonne Steiner

Dott. Riccardo Fracci, sein Bruder

Joachim Herrmann

Bellinda, dessen Frau

Annika Liljenroth

Antonio Fracci, Onkel

Horst Vladar

Marietta, Dienstmädchen

Elžběta Laabs

Cav. Enrico Tottola

Matthias Heubusch

Don Marrazzo da Terrasecca

Wolfgang Veith

Musikalische Leitung

Alois Rottenaicher

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Ulrich Hüstebeck

Korrepetition

Su-Jin Kim

Orchester

Mitglieder des Orchester des Akademischen Orchesterverbandes München

Die Handlung spielt in einem Städtchen bei Neapel im Haus der Brüder Fracci.

Es geht – wie meist in der komischen Oper – um Liebe, Eifersucht, Missverständnisse und Versöhnung. Zwei junge Ehepaare müssen durch dieses „Wechselbad der Gefühle“ durch, bis sie geläutert erkennen: Liebe heißt Verständnis, Vertrauen, Selbstlosigkeit und Toleranz!

Carafa (de Colobrano), Michele Enrico,

geb. am 17. November 1787 in Neapel, gest. am 26. Juli 1872 in Paris; zweiter Sohn des Fürsten von Colobrano, Herzog von Alvito, war Offizier der neapolitanischen Armee, seit 1806 Adjutant Murats und machte den russischen Feldzug mit. Nach dem Sturz Napoleons gab er die militärische Laufbahn auf und widmete sich ganz der Musik, die er schon früher mit Ernst kultiviert hatte. Schon 1802 und 1811 hatte er in Neapel kleine Opern zur Aufführung gebracht. Nachdem er eine Anzahl weiterer Opern für Neapel (1815 „La gelosia corretta“, auch als „Mariti, aprite gli occhi“ > „Männer! Augen auf!“) Mailand und Venedig geschrieben, auch zu Paris am Théâtre Feydau einige Stücke herausgebracht hatte, ließ er sich 1828 in Paris nieder, wo er 1837 Mitglied der Academie und 1840 Professor für Kontrapunkt am Konservatorium wurde. Außer 36 Opern und einigen Kantaten und Balletten hat Carafa auch größere kirchliche Werke geschrieben (Messe, Stabat Mater, Ave verum). In der einschlägigen Literatur wird er oft als Epigone und Imitator bezeichnet. Zu Unrecht – wie es unsere Oper beweist. Er war einer der engsten und ältesten Freunde G. Rossinis.

 

Tottola, Andrea Leone,

Geburtsdatum und -ort unbekannt, gest. am 15. September 1831 in Neapel; Agent des berühmten Impresarios Barbeia und Dichter der kgl. Theater in Neapel begann 1802 Libretti zu schreiben. Viele seiner Stücke waren für das Teatro Nuovo bestimmt und hatten Buffo-Rollen im Dialekt. Während die meisten seiner ernsten Werke monoton wirken, enthalten seine Komödien scharf beobachtete Situationen und witzige, theatralisch effektvolle Dialoge. Seine Bücher wurden u. a. von P. A. Guglielmi, den Brüdern G. und L. Mosca, D. Cimarosa, V. Fioravanti, S. Mayr, M. Carafa, G. Rossini, S. Mercadante, P. Raimondi und G. Donizetti vertont.

… mit auffallend positiver Resonanz des Publikums. (…) Die werkgetreue, liebenswert humorvolle Inszenierung von Vladar, in der er auf seine verschmitzte Art auch den Drahtzieher gibt, trägt dazu bei, dass man dem Treiben gerne zusieht. Aber auch lauscht, weil die Melodien von Carafa so anmutig, keck und leicht eingängig daher kommen und von Alois Rottenaicher und dem Orchester aus München mit Stilgefühl zu Gehör gebracht werden. Auf der quietschbunten Bühne von Ulrich Hüstebeck spielt das bewährte, um einige Zugänge erweiterte Neuburger Ensemble mit offenkundigem Spaß an der Komödie.
Yvonne Steiner und Annika Liljenroth geben die stimmlich wie darstellerisch gleichermaßen attraktiven Schwägerinnen, Michael Hoffmann und Joachim Herrmann die Brüder in gekonnter Buffomanier. Elzbeta Laabs macht als Dienstmädchen beste Figur, und die Tenöre Matthias Heubusch und Wolfgang Veith präsentieren ihre Verführungskünste auf vokal überzeugendste Weise. Männer, Augen auf? Frauen aber ebenso!
(Karin Coper in ORPHEUS, Berlin, 9+10.2011)

 

(…) Horst Vladar verzichtet bei seiner Inszenierung auf eine moderne Verfremdung und belässt die Handlung in einer nicht näher erwähnten Kleinstadt und der damaligen Zeit, ohne dabei an Aktualität einzubüßen. (…) Yvonne Steiner überzeugt als scheinbar brave Ehefrau Constanza mit strahlendem Sopran besonders in ihrer mit Koloraturen gespickten Arie. (…) Annika Liljenroth steht ihr als ihre Schwägerin Bellinda in nichts nach. Auch sie präsentiert ihre große Arie mit kräftigem Sopran. Im Streitduett zeigen die beiden Frauen, wie viel Feuer in ihnen steckt. Elžběta Laabs sorgt als Dienstmädchen Marietta darstellerisch vor allem für die komischen Momente des Abends. Mit hervorragender Mimik präsentiert sie sich als kritische Beobachterin der Szenerie und darf zu Beginn des zweiten Aktes in einer sehr witzigen Arie gekonnt dem Publikum Ratschläge für das Eheleben erteilen. Auch die beiden Brüder sind gut besetzt. Joachim Herrmann stellt den etwas langweiligen Riccardo mit überzeugendem Spiel dar und dreht bei seiner Arie richtig auf. Michael Hoffmann gibt den selbstsicheren Procopio mit großem komischen Talent, so dass man schon beinahe schadenfroh auf seine Wutarie im zweiten Akt reagiert, die er mit kräftigem Bariton schmettert. (…) Matthias Heubusch verleiht mit seinem weichen Tenor den Klagen Enrico Tottolas großen Ausdruck. Horst Vladar hat zwar als Onkel Antonio nicht viel zu singen, präsentiert sich aber als kongenialer Spielleiter des Geschehens und erntet am Ende fast den größten Applaus, vielleicht aber auch mit Blick darauf, dass das Publikum damit gleichzeitig seine Begeisterung für die Inszenierung zum Ausdruck bringen will.

Wer Interesse an unbekannen Opern hat oder Musiktheater ohne moderne Regiemätzchen erleben möchte und nicht nur wegen namhafter Stars in die Oper geht, sollte der Neuburger Kammeroper im nächsten Jahr unbedingt einen Besuch abstatten.
www.omm.de/veranstaltungen/festspiele2011/ND-2011mariti-aprite-gli-occhi.html

 

Horst Vladar, Mitbegründer und „Seele“ der Neuburger Kammeroper, inszenierte die musikalische Komödie sehr humorvoll. Durch seine subtile Personenführung konnten die Sängerinnen und Sänger die Charaktere ihrer Rollen witzig zur Geltung bringen, ohne in Klamauk abzudriften. (…) Als Procopio brillierte Michael Hoffmann, der mit seiner kraftvollen Baritonstimme und seiner komödiantischen Ader zu begeistern wusste. Seinen Bruder Riccardo stellte der großgewachsene, schlaksige Bariton Joachim Herrmann dar, der anfangs etwas hölzern wirkte (Premierennervosität ?), im Laufe der Vorstellung aber immer sicherer wurde. Mit köstlicher Mimik und guter Sopranstimme stattete Annika Liljenroth die Rolle dessen Ehefrau Bellinda aus. Ihr ebenbürtig die Sopranistin Yvonne Steiner als Constanza. Großartig das erzkomödiantische „Duell“ der beiden, in dem sie einander ihre den Ehemännern vorgespielten Szenen an den Kopf warfen! Den unglücklch verliebten Cavaliere Enrico Tottola spielte der Tenor Matthias Heubusch sehr charmant, den mittellosen Don Marrazzo da Terrasecca der ehemalige Wiener Sängerknabe Wolfgang Veith mit lyrischem Tenor und subtiler Komik. Als Dienstmädchen Marietta überzeugte die Mezzosopranistin Elžběta Laabs sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch. Last, but not least muss Horst Vladar genannt werden, der als Onkel Antonio seinen beiden Neffen mit Schmunzeln und Augenzwinkern die Wahrheit über ihre Ehefrauen eröffnete und so zum glücklichen Ende beitrug.
www.der-neue-merker.eu/mod,criticism/id_menuitem,15/id_criticism,2557/id_c… am 24.07.2011

 

Aus dem unerschöpflichen Stoffvorrat der Beziehungen zwischen Mann und Frau hat der neapolitanische Librettist Andrea Leone Tottola vor 200 Jahren ein tolles Stück verfasst. Liebe, Eifersucht, Verwechslung und was sonst noch dazugehört – alles virtuos behandelt und bis in die Nuancen ausgekostet. In Töne gesetzt von Michele Enrico Carafa (ebenfalls Neapolitaner, 1787-1872) ist eine Oper entstanden, für die es höchste Zeit war, wachgeküsst zu werden. Für die Kammeroper passt sie wie angegossen: Leichtfüßig kommt sie daher und meidet jede Überhöhung, ohne deswegen belanglos zu sein. Sie gibt sich unverkrampft, ihre Stärke liegt im Witz, in der Komik. (…) Carafas Oper verlangt nach biegsamen Stimmen, nicht nach Donnerklang. Ausnahmslos waren die Darsteller in diesem Sinne glücklich ausgewählt. Nicht nur, dass sie stimmlich bestens präsent waren, dass sie halsbrecherische Tempi mühelos bewältigten, dass sie sich zupackend musikantisch gaben; man erlebte sie als quirlige Komödianten, mit dem Mut zur Geste und zu Extrovertiertheit. (…) Das war ein Abend, bei dem die Stimmung aufschäumte und die Funken schlugen, eine Einladung zum Amüsement – famos! Lang anhaltender Beifall machte offenkundig, dass sich das Premierenpublikum darauf eingelassen hatte.
(Neuburger Rundschau, 25.07.2011)

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