Von Gasthof zu Gasthof

(Di locanda in locanda e sempre in sala – 1805)

von J. S. Mayr – L. Buonavoglio

Carlotta, Comtesse

Ulrike J. Jöris

Adelaide, ihre Tante

Karin Schibli

Alberto, Marquis

Horst Vladar

Enrico, sein Neffe

Bahram Gandje

Fiorillo, Kammerdiener

Michael Hoffmann

Petronio, Diener

Elmar Goebel

Musikalische Leitung

Alois Rottenaicher

Inszenierung

Horst Vladar

Bühnenbild

Ulrich Hüstebeck

Korrepetition

Dietmar Schlabertz

Produktionsassistenz

Annette Vladar

Orchester

Mitglieder des Akad. Orchesterverbandes München

Marquis Alberto erwartet seinen Neffen Enrico im Salon seines Landgutes. Er
würde ihn gern mit der reizenden Comtesse Carlotta von Alfredi verheiraten.
Enrico – ein Großstadt-Snob – hat ihm jedoch geschrieben, auf dem Lande gäbe es doch „nur häßliche, dumme Entlein“. Mit diesem Brief stachelt nun Alberto die Comtesse und ihre Tante zur Rache an. Enrico trifft ein, bekräftigt seine Meinung und erklärt, daß er sofort nach Paris zurückmüsse. Comtesse Carlotta wolle er gar nicht kennenlernen. Alberto kann ihn nicht zum Bleiben überreden, und so läuft sein Plan an: Sein als Postillon verkleideter Kammerdiener Fiorillo fährt Enrico in der Dunkelheit im Kreis herum, während seine Diener den Salon in den Wirtssaal einer Poststation verwandeln.

Enrico, den der Postillon von der Fahrt gebeutelt absetzt, findet Gefallen an der hübschen Kellnerin Rosina, der verkleideten Carlotta, und flirtet mit ihr. Doch dann stört ihn der gut aufgelegte Wirt, den Alberto spielt, und er verlangt nach Pferden für die Weiterfahrt. Alle Versuche ihn zurückzuhalten scheitern, und als die Ankunft einer Kutsche mit Comtesse Carlotta gemeldet wird, hat er auch Pferde, um trotz eines drohenden Gewitters loszufahren. Postillon Fiorillo dreht mit ihm die nächste Runde. Und noch einmal wird der Raum in einen – diesmal etwas feineren – Saal einer Poststation verwandelt.

Wegen des Gewitters „muß“ Enricos Fahrt nochmals unterbrochen werden. Von der „Wirtin‘“ Adelaide erfährt er viel Positives über die im Nebenraum musizie-rende Wirtstochter – natürlich Carlotta. Das macht ihn neugierig. Doch will er
nicht glauben, daß dieses so talentierte Mädchen eine Schwester der Kellnerin
Rosina sei, obwohl er sie mindestens so hübsch, doch viel intelligenter findet. Er verliebt sich in sie, aber sie läßt ihn abblitzen. Seine Qualen werden durch eine fingierte Liebesszene Carlottas im Nebenraum bis zum Siedepunkt gestei-gert. Er stürzt hinein, und als die Verschworenen nun nach und nach sich selbst und den Salon zurückverwandeln, erkennt er seine Blamage. Natürlich verzeiht schließlich Comtesse Carlotta unter allgemeinem Jubel dem Bereuenden.

Johann Simon Mayr wurde am 14. Juni 1763 in Mendorf (Altmannstein) nahe Ingolstadt als Sohn des Joseph und Enkel des Petrus Mayr aus Lobsing, beide Schullehrer und Organisten, geboren. Seine Mutter Maria Anna Prantmayer war eine Brauerstochter aus Friedberg bei Augsburg. Den ersten Musikunterricht erhielt er vom Vater. Mit siebeneinhalb Jahren war er schon ein fähiger Vomblatt-Sänger und mit neun ein guter Pianist. In diesem Alter schrieb er auch seine ersten Lieder.

In der Klosterschule von Weltenburg setzte Mayr seinen Orgelunterricht fort und war Singknabe in der Klosterkirche. 1774 erhielt er einen Freiplatz im Jesuitenkolleg in Ingolstadt. 1777 immatrikulierte er sich an der Universität und
wird 1778 als Rethorik- und später als Logikstudent geführt. Nach einigen Jah-ren an der medizinischen Fakultät ist er 1784/85 als Student der Jurisprudenz nachgewiesen. In diesen Jahren versah er nebenher „bei den Augustinern und in der Kathedrale“ Organistendienste, wobei sich die Gelehrten streiten, ob mit Kathedrale das Münster oder St. Moritz gemeint ist.

Bis 1787 fehlen dann Kenntnisse über Mayr, doch scheint das Verbot des 1776 in Ingolstadt gegründeten Geheimbundes der Illuminaten durch den Kurfür-sten Karl Theodor damit in Verbindung zu stehen. Über seinen Gönner, den Freiherrn Thomas von Bassus zu Sandersdorf, hatte Mayr wohl Beziehungen
zu diesem Geheimbund. Jedenfalls folgt er dem Freiherrn 1787 auf dessen Besitz in Cantone (Schweiz) und siedelt 1789 nach Bergamo über, um sich von Carlo Lenzi, dem maestro di capella an der Basilika S. Maria Maggiore, unter-richten zu lassen. Der Unterricht verlief für ihn aber so unbefriedigend, daß er darüber nachdachte, nach Bayern zurückzukehren; doch fand er in dem Cano-nicus Conte Pesenti einen Mäzen, der ihn ganz für die Kirchenmusik zu gewin-nen suchte und ihm bei Ferdinando Bertoni, dem Kapellmeister von S. Marco in
Venedig, die weitere Ausbildung ermöglichte.

Mayrs Aufenthalt in Venedig bot die ideale Möglichkeit, eine breite Skala italienischer Kirchen-, Theater- und Instrumentalmusik zu hören. Das ver-
setzte ihn in die Lage, zwischen 1791 und 94 sein erstes Oratorium und mehrere Kantaten aufführen zu lassen. In dieser Zeit wurde Mayr von Niccolo Piccini und Peter von Winter, zwei damals weltbekannten Opernkomponisten, zu
seiner ersten Theaterkomposition ermutigt: „Saffo“ wurde 1794 für das Theater La Fenice geschrieben, an dem Mayr wahrscheinlich auch mehrere Jahre als Bratscher engagiert war. Seine nächste Oper „La Lodoiska“, 1796 auch im La Fenice uraufgeführt, war so erfolgreich, daß sie ihm unmittelbar den Ruf als einer der besten italienischen Komponisten einbrachte, eine Position, die noch verstärkt wurde durch die sich anschließende Popularität seiner ersten Opera buffa „Un pazzo ne fa cento“ (1796). Von nun an war Mayr fast ausschließlich für die Bühne tätig. Jährlich entstanden mehrere Opern, die in Paris, Wien, Berlin, München und Dresden wie in Mailand, Venedig, Genua, Rom, Neapel und anderen Städten aufgeführt wurden.

Über das Libretto und seine Autoren

In dem in Venedig bei Casali gedruckten, undatierten (wohl 1805) Textbuch zu „Da locanda in locanda e sempre in sala“ („Von Gasthof zu Gasthof“) ist zu lesen: Dramma giocosa per musica diviso in tre parti da rappresentarsi nel no-
bilissima Teatro Giustiniani in $. Moise la primavera dell’ anno 1805, zu deutsch in etwa: Komische Oper in 3 Teilen, die im Frühjahr 1805 im vorneh-men Theater der Giustiniani dargeboten werden soll. Poesia del sig. L. G. Buonavoglia. Nun blieben uns die Lebensdaten dieses Poeten bisher verborgen, ja die Wissenschaftler sind sich nicht einmal einig, ob er Leopoldo oder Luigi Guiseppe hieß, und auch sein Familienname wird mal als Buonavoglia, mal als Buonavoglio angegeben. Über seine Tätigkeit läßt sich mit Sicherheit nur sagen, daß er in dem Jahrzehnt, in dem sein Name als Librettist in Oberitalien auf-taucht, etwa 10 Opernbücher verfaßt hat, von denen sein bestes und bekann-testes „L’Agnese“ für F. Paer (1809) war. Doch wie diese ist auch „Von Gasthof zu Gasthof“ eine Nachschöpfung. Die Vorlage ist das Textbuch „D’auberge en auberge“ des Franzosen E. Dupaty, das 1800 von Angelo Tarchi vertont in Paris Premiere hatte. In dieser Zeit wurden in Deutschland und Italien viele Opern aus dem Französischen übersetzt und neukomponiert zur Aufführung gebracht. Erinnert sei da nur an den Fidelio-Stoff.

E. Dupaty war ein bekannter Librettist, der u. a. für Boieldieu, della Maria und d’Alayrac arbeitete. Er wurde am 30. Juli 1775 zu Blanquefort in der Gironde
geboren, diente bei der Marine, später beim Geniekorps, widmete sich aber spä-
ter in Paris ausschließlich dramatischen Arbeiten und schrieb eine Menge kleiner Lustspiele und Vaudevilles. Wegen Anspielungen in einer seiner Opern wurde er bei Napoleon denunziert, aber auf eine einflußreiche Fürsprache hin begnadigt. 1836 wurde er Mitglied der Akademie. Er starb am 29, Juli 1851 in Paris.

„Mayr …. verblüfft in seinem 1805 in Venedig herausgebrachtem Buffo-Werkchen mit tatsächlich ungewöhnlicher Klangsprache. Wie er mit dem Fagott etwa den blasierten Erstauftritt des Enrico anklingen läßt, die tolle Gewitterszene durch tremoli und Kontraste schildert, ist voller Atmosphäre. … Ebenso hat das Buch bemerkenswerte Kontur.“
(Augsburger Allgemeine, 21.7.97)

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